26.04.2026 - No Fun At All / Angry Youth Elite - Essen, Turock

Ein Indikator für gelungene Live-Konzerte ist ein Grinsen auf Musikerseite, das man der betroffenen Person aus dem Gesicht meißeln müsste. So geschehen auch bei NO FUN AT ALL-Frontmann Ingemar, der schon während des Auftritts im Essener Turock ob der konstanten Publikumsresonanz strahlte wie das sprichwörtliche Honigkuchenpferd. Die relative Überraschungsreaktion durfte aber genauso gut für die ansässige Fanschar gelten. Denn der schwedische Punk-Klassiker bestach in den letzten Jahren doch bevorzugt durch gefällige Routine-Darbietungen.
Den Unterschied bei der bereits am Spätnachmittag anberaumten Matinee-Show machte vorrangig die Songauswahl. Bei der Zusammenstellung des Sets wurden die Beiträge der beiden jüngsten Platten („Grit“ und „Seventh Wave“) u. a. mit „Dead and Gone“ und „Spirit“ auf ein Minimum reduziert. Stattdessen setzte es teils lange nicht zum Live-Repertoire gehörende Stücke aus dem „No Straight Angles“-Fundus, die vor allem auf die wesentlichen Attribute Tempo und Wucht abzielten. Die Wirkung auf den Pulk war enorm. Denn ein stattlicher Teil der Fortysomethings stürzte sich von Anfang bis Ende in einen Pogo-Wirbel, der locker ein Drittel des Raumes einnahm.
Hinzu kamen diverse Tracks, die aus zahlreichen Kehlen lauthals mitgegrölt wurden. Genau diese Wirkung wäre auch der ANGRY YOUTH ELITE zu wünschen gewesen, die ab 18 Uhr den Anheizer gab. Das Quartett aus Gevelsberg gab sich publikumsnah und bewegungsfreudig, schmetterte stilistisch gern an den bewährten EpiFat-Sound der 1990er angelehnte Hits wie „Cold Outside“, „Rebellion Cut to Fit“, „It’s Gonna Be Bad“, „All Riot“, „Again & Again“, das BOUNCING SOULS-Cover „Kate is Great“ oder „No Matter, Who Cares?“ und erntete doch nicht (viel) mehr als den verdienten Applaus. Man könnte die Resonanz auf die treibende halbe Stunde auch mit „Viel Mitwippen, wenig Abgehen“ zusammenfassen. Schade eigentlich, denn an der Qualität von Musik und Darbietung gab es einmal mehr nichts auszusetzen.
Vielleicht sparten sich die Anwesenden, unter denen sich auch überraschend viele Kinder und Jugendliche tummelten, ihre Kräfte aber auch einfach für den schwedischen Headliner. Denn so frenetisch der begrüßt wurde, so intensiv wurden Knaller wie „When the Time Comes“, „Should Have Known“, „Lose Another Friend“, „Mine My Mind“, „I Am Wrong and I Am Right“, „In a Moment“, „I Can’t Believe It’s True“, „Perfection“ oder „Suicide Machine“ abgefeiert. Die Stimmung war ausgelassen, was sich unweigerlich auch auf die Spielfreude von NO FUN AT ALL auswirkte.
Der obligatorische Circle Pit bei „Catch Me Running Round“ war noch der vorhersehbarste Aspekt einer Show, bei der das Publikum einfach nicht müde werden wollte, die alten (und neuen) Hits bedingungslos abzufeiern. Einschließlich der Zugaben, darunter „Believers“, „Wow and I Say Wow“, „Beachparty“, „Beat ‘em Down“ und zum Abschluss natürlich „Master Celebrator“, spielten NO FUN AT ALL rund 70 Minuten. Sie hätten vermutlich noch doppelt so lange weitermachen können, ohne beim Publikum Ermüdungserscheinungen zu provozieren. Doch so fand ein schweißtreibendes wie gleichsam überraschend herausragendes Vorabend-Konzert dann doch sein würdiges Ende und hinterließ auf wie vor der Bühne eine Menge strahlender Gesichter. Danke dafür!