18.01.2026 - Teenage Bottlerocket / DeeCracks - Essen, Don't Panic

Der Geist der RAMONES schien allgegenwärtig. Und das nicht nur, weil an diesem Sonntagvorabend gleich zwei Cover-Versionen der Proto-Pop-Punks im Don't Panic geschmettert wurden. Denn ohne die Pionierarbeit der vielzitierten Wegbereiter würde es wohl weder TEENAGE BOTTLEROCKET noch die DEECRACKS geben. Oder besser: ihren klassischen Drei-Akkorde-Punk. Dabei war die Matinee-Show trotz vorgezogenem Startpunkt ausverkauft; für die Konzertkneipe in der Essener Innenstadt mag das rund 250 Besucherinnen und Besucher bedeuten. Und denen war – wie auch den Bands – an Ausschweifung gelegen.
Den DEECRACKS wurde von der Bewegungsfreude des Pulks allerdings wenig zuteil. Wer die drei Österreicher, die gegen 17:50 Uhr die Bühne betraten, kennt, weiß um die schweißtreibende Live-Performance. Die durfte beim Blick auf Hauptsänger und Gitarrist Matt wörtlich genommen werden. Denn ihn hätte man am Ende des gut halbstündigen Sets auswringen können. Der Weg dorthin war mit kurzen Ansagen auf Deutsch und Englisch bestückt – und treibenden Hits, die mit Blick auf die Uhr übergangslos verkettet wurden. Geschmettert wurden u. a. „Stroll the Streets“, „Charité Forever“, „Don’t Turn Your Heart Off“, „Standing On My Head“, „Don't Rely On Me“ und – als bewährter Abschluss – das EDDIE & THE HOT RODS-Cover „Do Anything You Wanna Do“.
Ihre Verbundenheit mit dem Sound der RAMONES drückten die DEECRACKS, unterstützt von MANGES-Sänger Andrea, 2024 mit der Eigeninterpretation des gesamten „Brain Drain“-Albums aus. In dessen Fundus findet sich auch „Pet Sematary“, das im Don't Panic zusammen mit TEENAGE BOTTLEROCKET-Sänger Ray vorgetragen wurde. Dabei zeigte dann auch das Publikum etwas mehr Anteilnahme. Der Jubel für die Vorband war schlussendlich so laut wie verdient. Doch es schien fast so, als hätte sich die Meute ihre Kraft für den Headliner aufsparen wollen. Als der sich gegen 18:50 Uhr an die Instrumente begab, verteilte Ray in den vorderen Publikumsreihen Ohrstöpsel. Für den Lautstärkepegel erwies sich das als stimmiges Vorzeichen!
Dass der Vierer aus Wyoming live gern ein Feuerwerk abbrennt, ist bekannt. Was TEENAGE BOTTLEROCKET in Essen boten, darf aber schon zu diesem frühen Zeitpunkt als ein Konzert-Highlight des Jahres 2026 bezeichnet werden. Vom Auftakt („Necromonicon“, „Don’t Want to Go“, „Bigger Than KISS“) weg gab es vor der Bühne kein Halten mehr. Es flogen volle Bierbecher, Körper wurden gegeneinander geworfen oder sprangen von der Stage und um die Textsicherheit der Anwesenden brauchte man sich auch abseits der großen Kracher – solchen wie „Blood Bath at Burger King“, „They Call Me Steve“ „Skate or Die“ oder „Headbanger“ – keine Sorgen zu machen.
Wie die DEECRACKS verlor auch der Headliner zunächst keine Zeit an großspurige Ansagen und hielt das Tempo damit konstant hoch. Neben den RAMONES („Blitzkrieg Bop“) wurde auch dem unvergessenen Tony Sly („Via Munich“) Tribut gezollt – wobei die Stimmung bei nahezu allen geschmetterten Songs (darunter auch „Bottlerocket“, „I Wanna Be a Dog“, „She’s the Shit“, „High Speed Yoga“ und im Zugabenteil u. a. „Ich bin Ausländer und spreche nicht gut Deutsch“ und „Ready to Roll“) ungebrochen hervorragend ausfiel. Besser und vor allem hitziger kann das Konzertjahr eigentlich nicht beginnen!