Zwiebel-Jack räumt auf (I/E/D 1975)

Ein Sargnagel des Spaghetti-Westerns

Als „Django“ half Franco Nero 1966, den Italo-Western groß zu machen. In der Rolle des Zwiebel-Jack trug er das Genre, das ihn berühmt gemacht hatte, neun Jahre später mit zu Grabe. Mitte der 1970er war die große Zeit des europäischen Westerns vorüber. In mehr als einem Jahrzehnt wurden hunderte ähnlich angelegter Filme produziert, darunter etliche Klassiker. Als das Publikumsinteresse sank, wurde der einst so raue Ton ins Ironische verzerrt. Oder – im Falle von „Zwiebel-Jack räumt auf“ – auf eine Ebene puren Klamauks verlagert. Es darf daher kaum verwundern, dass die vom versierten Enzo G. Castellari (drehte mit Nero u. a. auch „Keoma“) gefertigte Parodie als ein Sargnagel des Spaghetti-Westerns gilt.

So mies, wie er oft dargestellt wird, ist der Streifen aber bei Weitem nicht. Das liegt neben der professionellen Umsetzung – zu den beteiligten Fachkräften zählen etwa Produzent Carlo Ponti („Doktor Schiwago“) oder die „Todesmelodie“-Autoren Luciano Vincenzoni und Sergio Donati – , die Italo-typisch viel Herzblut erkennen lässt, an den vielseitigen komödiantischen Einflüssen. In seinen besten Szenen – zu nennen ist hier primär die teils in beschleunigtem Tempo abgespulte Verfolgung des auf einem Fahrrad flüchtenden Titelhelden vor drei Reitern in der Kleinstadt Paradise City – zitiert Castellari Slapstick-Pioniere wie Buster Keaton und Stan Laurel/Oliver Hardy. 

Die andere Seite ist von gnadenloser Albernheit geprägt, wenn Neros in Gestik, Mimik und Agilität überdeutlich an Terence Hill angelehnter Zwiebelfarmer (die Synchronstimme des legendären Thomas Danneberg verstärkt den Effekt naturgemäß!) dem Öl-Magnaten Petrus Lamb (Martin Balsam, „Little Big Man“) in die Quere kommt. Der großkapitalistisch denkende Schurke hat nicht nur eine Metallhand mit Bond-Bösewicht-Anmutung zu bieten, sondern auch einen Gehilfen mit deutlichem Hitler-Einschlag. Kein Wunder, dass dieser in der von Synchron-Ikone Rainer Brandt verantworteten deutschen Sprachfassung den Namen Adolf verpasst bekam.

Aber bitte mit Zwiebeln!

Den um Paradise City platzierten Bohrtürmen widerstrebt nur ein Stück grünes Farmland, das auf Lambs Miniaturmodell wirkt wie das berühmte gallische Dorf aus den Asterix-Comics. Nur dass es – um mit Lucky Luke einen weiteren durchaus anverwandten Klassiker zu zitieren – „Im Schatten der Bohrtürme“ liegt. Zwiebel-Jack, dessen sprechendes Pferd mit Hut von Brandt selbst vertont wird, kauft das Grundstück, kurz bevor der Eigner von Lambs Schergen – darunter der bewährte Schauspieler/Stuntman Romano Puppo („Sabata“) – aus dem Weg geräumt wird. Die beiden hinterbliebenen, äußerst wehrhaften und halbseitig trinkfesten Söhne macht er gleich zu Partnern. Dem Zorn des Öl-Industriellen kann er sich da gewiss sein. 

Castellari feuert eine Gag-Salve nach der anderen ab, verfehlt sein Ziel durch die pure Infantilität aber viel zu häufig. Dem grundlegenden Unterhaltungswert steht das nicht im Wege. Nur findet „Zwiebel-Jack räumt auf“ einfach nie die Balance zwischen Parodie und Klamauk. Dabei funktioniert die Persiflage auf die opernhafte Inszenierung eines Sergio Leone, dessen „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1967) in der Handlungsprämisse deutlich gestreift wird, im Grunde brauchbar. Allerdings kennt die Überzeichnung Jacks keine Grenzen, wenn er im Saloon einen Trunk aus Zwiebelsaft und Knoblauchessenz mixt, dessen Einfluss auf die Mundflora jeden noch so wackeren Schergen Lambs niederringt; unter denen finden sich auch Massimo Vanni („The Riffs“), Dan van Husen („Pancho Villa“) und David Warbeck („The Beyond“). 

Einen Unterstützer findet der stinkende Jack in Zeitungsverleger Pulitzer(!), der von Hollywood-Veteran Sterling Hayden („The Killing“) verkörpert wird. Und in dessen Tochter (Emma Cohen, „Todesmarsch der Bestien“) darf sich der zwiebelige Held mit ins Bild drängenden Herzchen auch gleich vergucken. Aber wie immer setzen Lamb und Gefolge – den Transvestiten-Sheriff gibt Leo Anchóriz („Töte alle und kehr allein zurück“) – alles daran, die wackere (und hier sympathisch abgeranzte) Heldengestalt mit unlauteren Mitteln aus dem Weg zu räumen. Das führt zu Prügeleien in bewährter Spencer/Hill-Manier, zu denen auch der Soundtrack von Guido und Maurizio De Angelis („Banana Joe“) trefflich passt. Zum Showdown darf auch noch eine Motorrad-Bande mit Muskeleinlagen mitmischen. Bei Zwiebel-Jack ist eben alles möglich. Nur Ernsthaftigkeit hat in diesem knolligen Edel-Trash nichts verloren.  

Wertung: 4.5 out of 10 stars (4,5 / 10)

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