Zweiohrküken (D 2009)

zweiohrkuekenMan mag von Til Schweiger halten was man will, seine Erfolge aber sind nur schwer von der Hand zu weisen. Demgegenüber wiegen seine zahlreichen Flops nicht minder schwer. Mit der Komödie „Keinohrhasen“ gelang ihm vor drei Jahren zumindest ein riesiger Erfolg, den er nach einigen hochgradig gescheiterten Filmen und seinem Intermezzo in Hollywood aber auch bitter nötig hatte. Und Schweiger wäre nicht Schweiger, würde er seine Erfolge nicht ausgiebig feiern. Insofern verwunderte ein zweiter Teil des Kinohits am allerwenigsten. Ein derart konzeptloses Ergebnis hätten aber wohl nur die wenigsten vermutet.

Nach dem Happy-End von „Keinohrhasen“ wohnen Ludo (Til Schweiger) und Anna (Nora Tschirner) mittlerweile zusammen in einer schicken Atelierwohnung. Alsbald steht jedoch der Alltag vor der Türe, was immer mehr zu kleineren Spannungen zwischen den beiden führt. Als Ludo dann auch noch einer alten Freundin (Edita Malovcic) begegnet und Anna eine durchaus als falsch zu verstehende SMS auf Ludos Handy liest, stehen die Liebeszeichen auf Sturm. Vor allem als Ralf (Ken Duken) – ein alter Studienfreund Annas – urplötzlich vor der Türe steht und ihm kurzerhand für ein paar Tage Asyl gewährt werden.

Nicht erst seit dem rasanten Aufstieg von Mario Barth sind die alltäglichen Probleme und Lebensarten von Männlein und Weiblein ein Thema über das gelacht werden darf. Allerdings sind die Abnutzungserscheinungen dieser Gattung Humor ebenso wenig von der Hand zu weisen und auch Til Schweiger tat sich mit Co-Autorin Anika Decker scheinbar schwer, dem humorvollen Alltagsleben neue und vor allem amüsante Facetten abzugewinnen. Aufgrund mangelnder Ideen und Kreativität kreist zunehmend der Holzhammer, was vor allem Matthias Schweighöfer („Der rote Baron“) ausbaden muss. Seine Figur rangiert komplett neben der Haupthandlung und bis auf ein paar fade (Scheißhaus-)Witzchen, darf der sympathische Darsteller nichts zum Film beitragen. Im Grunde ist sein Einsatz somit verschenkt, ragt aber inmitten belangloser Eifersüchteleien durch seinen forschen Spielwitz immer noch heraus.

Denn an Originalität und treffendem Humor mangelt es „Zweiohrküken“ zu jeder Sekunde. Das bekommen auch die Hauptdarsteller zu spüren. Til Schweiger („Der bewegte Mann“) ist nur noch eine langweilige, geläuterte Version seines Chauvi-Charakters, während die großartige Nora Tschirner („Soloalbum”) zu sehr die Kratzbürste mimt und viel zu selten ihre offensichtlichen Stärken (bspw. im Dessous-Laden) und Sympathie ausspielen kann. Aus der zweiten Reihe mag in erster Linie Ken Duken („1 1/2 Ritter“) als völlig überchargierter Afrika-Auswanderer überzeugen, während sein weibliches Pendant Edita Malovcic („Vier Minuten“) lediglich durch ihre Rundungen auffällt. Als Gaststars sind u.a. abermals  Klitschko/Catterfeld zu sehen, deren kurzer Auftritt ähnlich gewollt wirkt wie das Gros von „Zweiohrküken“. Lediglich Heiner Lauterbach („Campus“) hat als alkoholisierter Plüschhase für kurze Zeit die Lacher auf seiner Seite.

Das Schweiger und Co. an „Keinohrhasen“ nicht heranreichen mag angesichts des allgemeinen Sequel-Fluchs nicht verwundern. Wohl aber die Konzeptlosigkeit mit der die Macher zwei Stunden lang den Zuschauer quälen. Denn nichts fügt sich sinnvoll zusammen, zu offensichtlich sind die letztlich gescheiterten Bemühungen den im Grunde zu Ende erzählten Erstling irgendwie weiterführen zu können. Dieses Scheitern mit Ankündigung ist vielleicht auch das erstaunliche an diesem Film, dem es neben einer schlüssigen Handlung in allererster Linie an Witz und Esprit fehlt.

Wertung: (3,5 / 10)

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