Zum Töten freigegeben (USA 1990)

markedfordeathSteven Seagal ist der Mann fürs Grobe. Angesichts zunehmender Leibesfülle mag manch ein Spötter behaupten, vornehmlich für grobe Mettwurst. Jedoch dürfen solcherlei Vorurteile nicht den Blick für die großen karrieristischen Taten des stoischen Gesindelschrecks trüben. Und fürwahr gab es solche, wenn sie sich auch kaum auf ganze Filmwerke übertragen lassen. Schauspielerisch war im Hause Seagal ohnehin nie etwas zu holen. Das Gesicht wie aus Stein gemeißelt hat außer grimmig Gucken kein anderes Minenspiel zu bieten. Bisher hat es trotzdem gereicht. Zumindest in der grauen Vorzeit, als der Meister der berstenden Knochen noch mit öligem Pferdeschwanz und schlanker Gestalt durch Hollywood stolzierte.

Aber die Ära, in der Mimen seines Schlages selbige auf großer Leinwand verteilen durften ist endgültig passé. Was bleibt ist der Blick zurück auf das Amüsement grobschlächtig ultrabrutaler Wehrertüchtigung. Solche, wie sie Seagal in „Zum Töten freigegeben“ praktizierte, mitunter sogar zelebrierte. Neben „Alarmstufe: Rot“ und „Deadly Revenge“ ist der von Dwight H. Little („Showdown in Little Tokyo“) angenehm schnörkellos inszenierte Reißer der beste in der Filmografie des Antimimen. Als knurriger Cop John Hatcher produziert er (fast) mehr Leichen als Worte und führt die Menschenverachtung des Mainstreamkinos an einen vorzeitigen Höhepunkt.

Schuld ist ein jamaikanisches Gangstersyndikat, das unter Führung des Voodoo-erprobten Screwface (Basil Wallace, „Rapid Fire“) den amerikanischen Drogensumpf unterfüttert. Weil die Organisation neben dem Absatz der Ware auf Schulhöfen aber den schweren Fehler begeht, Hatchers Familie zu bedrohen, schlägt der mit aller Härte perfider Eigenauslegung von Rechtstaatlichkeit – und der Unterstützung von Keith David („Saigon“) und Tom Wright („Men of War“) – zurück. Daraus resultiert unter anderem einer der brutalsten Armbrüche der Filmgeschichte. Wenn Seagal in einem Kaufhaus die kauderwelschenden Rastafaris aufmischt, knackt und knirscht es gewaltig. Insbesondere bei jenem Unglücklichen, dem per beherzten Kraftakt gleich mehrmals die obere Extremität berstet.

Natürlich animieren auch hier die hohlen Dialoge zum Griff Richtung Fernbedienung. Als ernsthafter Beitrag zum Heldentum der Brachialactionfront taugt der muntere Streifen nur bedingt. Nicht wenige der Handlungsszenen sind nur allzu deutlich als Füllmaterial auszumachen. Dennoch ist „Zum Töten freigegeben“ ein professionelles Rudiment seagalscher Grobheit, das in Zeiten seiner unsäglichen in Osteuropa wie am Fließband produzierten Videopremieren geradezu meisterlich wirkt. Für Fans ein sehenswerter Reißer.

Wertung: (6 / 10)

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