Zero Tolerance – Auge um Auge (T 2015)

zero-tolerance-auge-um-augeAngel, so heißt es aus vielen Mündern, wurde von allen geliebt. Gebracht hat es ihr trotzdem nichts. Polizist Peter (Sahajak Boonthanakit, „Only God Forgives“) fischt die Leiche der jungen Frau an seinem 50. Geburtstag aus einem Kanal in Bangkok. Für ihn wird der Fall zur persönlichen Angelegenheit. Denn Angel ist die Tochter seines alten Freundes und Kampfgefährten Johnny (wirkte u.a. im TV-Original von „21 Jump Street“ mit: Dustin Nguyen). Den sucht Peter in Vietnam auf und überbringt ihm neben der traurigen Nachricht das Angebot, die Täter gemeinsam zur Strecke zu bringen. Lange bitten lässt sich der Ex-Soldat nicht und türmt in Thailands Kapitale bald einen stattlichen Leichenberg auf.

Der Schein des archetypischen Selbstjustiz-Reißers trügt. Zumindest ein wenig. Zwar legt „Zero Tolerance“ das Augenmerk auf die unerbittliche und oft impulsiv ausgedehnte Rachetour, investiert jedoch einen Gutteil der überschaubaren Laufzeit auf die Charaktere. Da liegt das größte Problem von Wych Kaosayanandas Film. Die Figuren wirken holzschnittartig und die Leistungen der Darsteller sind diesem Terminus weitgehend angepasst. Kaosayananda, der unter dem verkürzten Pseudonym Kaos den unsäglichen „Ballistic: Ecks vs. Sever“ drehte, tritt als Produzent, Autor und Regisseur in Erscheinung. Bei allem Ringen um visuelle Erhabenheit und schwermütige Zwischentöne, Überzeugungskraft lässt sein Werk weitgehend vermissen.

Da helfen auch die bewährten B-Akteure Scott Adkins („Ninja – Pfad der Rache“) und Gary Daniels („Night of Terror“) wenig. Adkins spielt den dubiosen Geschäftsmann Steven, der in verschiedene kriminelle Aktivitäten verstrickt ist und zum Auftakt Blut vergießt. Danach taucht er weitgehend ab, wobei klar scheint, dass sich seine und Johnnys Wege kreuzen werden. Wie er hat auch Daniels Zuhälter Sammy Verbindungen zu Angel. Und weil die sich als Prostituierte verdingte, mangelt es nicht an Verdächtigen. An der Wahrheit scheint dem rot sehenden Vater allerdings wenig gelegen, immerhin tötet er ohne Federlesen jeden, der auch nur im Entferntesten mit dem Ableben der Tochter zu tun haben könnte.

Der Plot bleibt flach, die Inszenierung tempoarm. Zudem fehlt der Action die nötige Wucht, um Johnnys mal schnörkellos ruppigen, mal stilisierten Amoklauf für Genrefans packend zu gestalten. Über B-Mittelmaß reicht „Zero Tolerance“ nie hinaus. Die Möglichkeiten der Besetzung (darunter auch Kane Kosugi, der mit Kaosayananda auch „Tekken: A Man Called X“ drehte) bleiben ebenfalls ungenutzt, da Daniels unterbeschäftigt bleibt und Adkins Konfrontation mit Nguyen fahrlässig unspektakulär ausfällt. So tendiert der Film unentschlossen und letztlich belanglos zwischen Action und Drama. Dass die Vorzeichen im bitter gefärbten Finale völlig verkehrt werden, geht zwar als gelungene Abwechslung durch, wertet das Gesamtwerk aber auch nicht auf.

Wertung: (4 / 10)

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