Zeiten ändern Dich (D 2010)

zeitenaenderndichSeine Musik gilt als homophob, frauenfeindlich und gewaltverherrlichend. Doch Bushido, der mit bürgerlichem Namen Anis Mohamed Youssef Ferchichi heißt, avancierte ungeachtet aller Diskussionen zum Megaseller. Von Kindesbeinen an musste sich der Sohn einer Deutschen und eines Tunesiers behaupten. Gegen den prügelnden Vater, die Vorurteile der Mitschüler und die Gesellschaft im Ganzen. Von deren Rand aus erklimmt er den Gipfel. Doch der Weg dahin ist beschwerlich – und laut Erfolgsproduzent Bernd Eichinger wie gemacht fürs Kino.

Bereits 2008 zeichnete der damals 29-jährige Bushido seine Erfolgsgeschichte in einer Biographie nach. Auch sie wurde ein Hit. Ganz anders der Film, „Zeiten ändern Dich“, der sich von ihr inspiriert zeigt und den kontroversen Rapper gleich in die Hauptrolle zwängt. Dabei offenbart sich vor allem, dass nicht Zeiten die portraitierte Person ändern, sondern allen voran die euphemisierende Perspektive des Kinos. Die Zwiespalte, die Rassismus-Vorwürfe, bleiben konsequent ausgespart. Stattdessen entspinnt sich die peinlich verklärte und oft unfreiwillig komische „Lebensgeschichte“ einer Kunstfigur.

Im Tourbus, an seinem 29. Geburtstag, wird Bushido durch eine Postkarte des Vaters gezwungen sich seiner Vergangenheit zu stellen. Ausschnitthaft folgen Rückblicke, die den späteren Chartsstürmer als hadernden Jugendlichen (hier gespielt von Elyas M’Barek, „Türkisch für Anfänger“) zeigen. Anis der Verkannte, der Unterschätzte. Um Geld zu verdienen dealt er mit Drogen. Nachdem er mit einem Rucksack voller Stoff verhaftet wird, verspricht er dem Jugendrichter eine Ausbildung zu absolvieren. Als gelernter Maler und Lackierer beschmiert er mit den Kumpels fortan Berliner U-Bahnen.

Die Anschläge vom 11. September 2001 verändern nicht nur die Welt, sondern auch ihn. Plötzlich schreibt er Texte, gibt sich ganz der Musik hin. Seine Anfänge in der Szene bleiben unerwähnt. Umso steiler erscheint der Aufstieg. Die Beziehung zu Selina (Karoline Schuch, „Zweiohrküken“), Tochter aus gutem Hause, scheitert zwangsläufig. Mehr als abgeschmackte Klischees bedient sie nicht. Peinlich ist jedoch nicht Bushidos ungelenker Off-Kommentar und auch nicht die Tatsache, dass der Musiker nicht schauspielern kann. Es sind vor allem die prominenten Gastakteure, die der Geschichte kopflos chargierend jegliche Glaubwürdigkeit rauben.

Uwe Ochsenknecht legt die Messlatte mimischer Absurdität als Selinas Vater fast unerreichbar hoch und auch die gestandene Hannelore Elsner hat sich mit der Rolle als Anis’ Mutter keinen Gefallen getan. Ebenso wenig Moritz Bleibtreu, der als Bushidos zwielichtiger Förderer Arafat den harten Man markieren darf. Eichinger und Uli Edel, die bereits erfolgreich den „Baader Meinhof Komplex“ auf die Leinwand brachten, begnügen sich mit Auszügen, die in ihrer dramaturgisch komprimierten Suche nach Tiefe grotesker nicht wirken könnten. Lücken werden mit Konzertaufnahmen geschlossen. Immerhin sie geben den Fans wonach es sie verlangt. Inklusive geheuchelter „Alles wird gut“-Mentalität. Zweifelsfrei eines der größten Trashprodukte, die das deutsche Kino in der letzten Dekade hervorgebracht hat.

Wertung: (3 / 10)

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