Yo Puta (E 2004)

yoputaProstitution gilt gemeinhin als das älteste Gewerbe der Welt. Die Hintergründe und Schicksale der Menschen in diesem Metier bleiben jedoch meist im Halbdunkel verborgen. Einen Schritt ins Licht wagte die südamerikanische Autorin Isabel Pisano mit ihrem Buch „Yo Puta“. Darin führt sie neben eigenen Erfahrungen vor allem Interviews mit Prostituierten und Vertrauten dieses Milieus auf. Unter ihrem Künstlernamen Luna hat sich die spanische Regisseurin María Lidón („Náufragos – Gestrandet“) dem literarischen Werk angenommen und in Zusammenarbeit mit der Schriftstellerin selbst einen Film daraus gemacht.

Stilistisch originell lässt „Yo Puta“ – auch unter den Titeln „The Life“ und „Whore“ veröffentlicht – Gigolos und Edel-Huren, Straßennutten und Zuhälter, Pornoaktricen und Endverbraucher zu Wort kommen. Dabei bedient sich der semidokumentarische Blick in die Gefühlswelt der Involvierten moderner Aufnahmetechnik und der Ästhetik eines Werbeclips. Das daraus entstehende Hochglanzprodukt geht weit über den Rahmen üblicher Talking-Heads Dokumentationen hinaus – und büßt gerade deshalb einen Teil seiner Glaubwürdigkeit ein.

„Yo Puta“ verweilt zumeist an der Oberfläche. Über sexuelle Vorlieben und gespaltene Meinungsbilder über die Kundschaft dringt das ambitionierte Werk meist nicht zum emotionalen Kern der Interviewten vor. Nur sporadisch wird eine explizitere Auseinandersetzung mit den realen Protagonisten forciert. Etwa wenn eine litauische Prostituierte über ihren erzwungenen Einstieg in die Szene berichtet, verursacht durch Erpressung und Einschüchterung. In seinen stärksten Momenten geht der Film unter die Haut. Doch folgt der schier endlosen Montage von Interviewschnipseln zwangsläufige Ermüdung.

Für einen stilistischen Bruch sorgen vereinzelt eingestreute Spielszenen. In denen taucht Studentin Rebecca (Denise Richards – „Die Welt ist nicht genug“) durch ihre Nachbarin Adriana (Darryl Hannah – „Kill Bill“) in die Welt verkaufter Körper ein. Rebecca recherchiert für eine Studie über das Thema Prostitution und soll so als Bindeglied zwischen fiktionaler Narration und realen Interviews fungieren. Allerdings taucht Richards in keiner Szene mit den Befragten auf, so dass die in sich autonomen Teile keinerlei Zusammenhang aufweisen. Über weite Strecken wirkt diese Konzeption unglücklich und beschwört einzig künstlerische Stagnation.

„Yo Puta“ ist ein temporär fesselnder Film, der über weite Strecken an seiner strukturellen Unbeständigkeit krankt. Der artifizierte Look gestaltet eine glaubhafte Reüssierung der aufgezeigten Einblicke oft schwierig. Die alltäglichen Probleme der Interviewten, besonders im Bezug auf die osteuropäischen Straßenstricherinnen, werden nur gestreift. Gerade das hinterlässt bei manch amüsanter Anekdote der Befragten einen bitteren Beigeschmack. Vermittelt werden fast ausschließlich grobe und undifferenzierte Einblicke in das Geschäft mit dem Sex. Das Resultat ist dem entsprechend nur unwesentlich ergiebiger als die obligatorische RTL2-Reportage im Spätprogramm.

Wertung: (5 / 10)

scroll to top