Year One – Aller Anfang ist schwer (USA 2009)

YR1_ADV_IT_1SHT_4Jack Black frisst Scheiße. Wie jetzt, ist das etwa nicht lustig? Zur Spurensuche hat er ein bisschen am Kot geschnüffelt, selbigen mit der Zunge berührt und dann einfach genascht. Nur muss er als Urmensch Zed anschließend feststellen, dass der Haufen nicht, wie gedacht, menschlichen, sondern tierischen Ursprungs ist. Hach wie ulkig. Aber das Streben nach Anstößigkeit in Ehren, die Vorzeit-Klamotte „Year One“, das illustriert bereits jene eingangs geschilderte Fäkalzote, ist als Komödie ein absoluter Rohrkrepierer. Schade ist das um die Besetzung, die mit souveränem Eifer gegen die aufbrandende Ideenlosigkeit anspielt.

Neben Starkomiker Black („Tropic Thunder“) ist es Michael Cera („Juno“), der als Hänfling Oh vom gemeinsamen Stamm ausgestoßen wird. Für die beiden beginnt eine Reise ins Ungewisse, die hinter der nahen Bergkette – dem vermeintlichen Ende der Welt – zivilisiertere Völker und Hochkulturen entblößt. Fortan arbeitet sich Komödien-Routinier Harold Ramis („Und täglich grüßt das Murmeltier“), der auch die Story lieferte und am Drehbuch mitschrieb, an alttestamentarischen Mythen ab und bringt als Vorschub der Handlung die Suche nach den versklavten Herzensdamen des Duos ins Spiel.

Was hätte eine muntere Parodie auf religiöse Tradierung (und Monumentalfilme) werden können, verkommt zur episodischen Verknüpfung handwarmer Scherze. Blacks geschmackliche Verirrung bei der Deutung des Scheißhaufens mag da noch zu den gelungeneren Possen zählen, provoziert diese doch immerhin eine (wie auch immer geartete) Regung. Das Gros der Gags aber ist misslungene Typenkomik, bei der das Auskommen zu keiner Zeit dem redlichen Einsatz der Schauspieler – u.a. gibt David Cross („Arrested Development“) Brudermörder Kain, Hank Azaria („Huff“) den Abraham – gerecht wird.

Exemplarisch fällt der Film mit Oliver Platt („2012“), der sich als tuntiger Hohepriester mit Brusthaartoupet für keine Peinlichkeit zu schade ist. Die Dreharbeiten dürften dem Ensemble denn auch einigen Spaß bereitet haben. Bedauerlicherweise wird der aber nicht an den Zuschauer weitergereicht. Der Produktionsaufwand der von Judd Apatow („Beim ersten Mal“) produzierten Nonchalance, bei der kräftig gefurzt, gekotzt oder auch mal ins Gesicht gepinkelt wird, wirkt ebenso verschenkt wie die Akteure. Letzten Endes also kaum mehr als die fahrlässige Verschwendung von Zeit, Geld und Material.

Wertung: 3 out of 10 stars (3 / 10)

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