xXx – Triple X (USA/CZ 2002)

xxx-triple-xHollywoods Studiobosse müssen schon argster Verzweiflung nahe sein. Anders ist der Schritt nicht zu erklären, Kraftpaket Vin Diesel, einst von Steven Spielberg für „Saving Private Ryan” entdeckt, nach nur zwei mittelmäßigen Filmen, nämlich „Pitch Black” und „The Fast and the Furious”, zum neuen Stern am Action-Firmament auszurufen. Sicherlich ist das anspruchsarme Genre der wortkargen Ballerhansel seit dem “filmischen Ableben” einstiger Maniacs wie Schwarzenegger und Stallone sichtlich ins Schwanken gerate. Nicht zuletzt auch, weil die zweite Garde Seagal und Van Damme zu Hau-drauf-Schlusslichtern der B-Kategorie verkommen ist. So klammert man sich nun an den charismatischen Diesel, sozusagen letzter Strohhalm zur Rettung altbackener Macho-Klischees, denn auch Bruce Willis setzt mittlerweile mehr und mehr auf Rollen jenseits der gekrümmten Finger am Abzug.

Der Film, der Diesels Status als neuen König des krisengebeutelten Actionfilms endgültig untermauern soll,  trägt den Titel „xXx – Triple X”. In diesem verkörpert Muskelmann Diesel Xander Cage, einen bekannten Extremsportfanatiker, der mit seinen waghalsigen Aktionen die Grenze des legalen regelmäßig überschreitet. Unerwartet werden Cages Qualitäten allerdings auf ganz anderer Ebene gebraucht, denn nichts geringeres als die Rettung der Welt steht auf dem Programm. Als neue Generation von Geheimagent zwangsrekrutiert, verschlägt es Cage auf Geheiß seines neuen Vorgesetzten Gibbons (Samuel L. Jackson, „Shaft”) nach Prag, wo er die Untergrundorganisation „Anarchy 99″ untergraben soll. Schnell erschleicht sich der Undercover-Agent das Vertrauen des Bandenführers Yorgi (Marton Csokas) und deren zwielichtiger Geliebten Yelena (Asia Argento, „B. Monkey”). Doch seine Tarnung fliegt aFuriousals die ganze Aktion abgeblasen werden soll, handelt xXx, so Cages Spitzname, auf eigene Faust und rechnet mit dem weltbedrohenden Gesindel auf seine eigene Weise ab.

Rob Cohens („The Fast and the Furious”) Film ist durch und durch auf das Format von Vin Diesel zugeschnitten. Dabei stehen selbstverständlich die furios in Szene gesetzten Action-Sequenzen im Vordergrund, die ohne Übertreibung zum besten gehören, was es seit langem auf der großen Leinwand zu bestaunen gab. Im Gegenzug allerdings sträuben sich dem Betrachter die Haare angesichts dieses Nichts an Story. Es wird nicht einmal im Ansatz die Bemühung gezeigt, einen halbwegs nachvollziehbaren Plot um den Action-Helden zu spinnen, vielmehr wird von Beginn an Adrenalin gepumpt, ein waghalsiger Stunt jagt den nächsten. Dass sich dabei schon frühzeitig offenbart, dass „Triple X” ohne Rücksicht auf Verluste bei James Bond abkupfert, in der Hauptsache eher plump, mindert den Unterhaltungswert des kurzweiligen Actioners trotzdem kaum. Denn das minimalistische Konzept geht auf, insbesondere weil der Film über weite Strecken einfach Spaß macht und die Grenze zur Lächerlichkeit durch eine gehörige Portion Selbstironie umkurvt.

Hauptdarsteller Vin Diesel verkörpert den toughen Super-Agenten mit fast übersteigerter Coolness, doch unterstreicht dies eher den Comiccharakter des gänzlich realitätsfremden Streifens. So wirkt die Figur des Xander Cage auch eher wie ein männliches Pendant zu Lara Croft denn einer aufgepeppten Variante des angestaubten Briten 007. Unterstützt wird Diesel bei der Festigung seines Status als legitimer Nachfolger der niedergegangenen Action-Ikonen von Samuel L. Jackson, der dem Hauptakteur die Bälle zu jeder Zeit so zuspielt, dass neben Cage eigentlich keine anderer Charakter Bestand hat, geschweige denn in der Lage wäre, dem Freizeit-Agenten das Wasser zu reichen. „Triple X” ist eine fast zweistündige Achterbahnfahrt, überstilisiert, aber durchweg unterhaltsam. Dass dem Film gegen Ende die Puste auszugehen scheint und der Showdown im Bombast des Vorangegangenen Brimboriums untergeht, scheint da mehr als verzeihlich. Also anschnallen, Hirn ausschalten und ab dafür.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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