Wo die wilden Kerle wohnen (USA/AUS/D 2009)

wo-die-wilden-kerle-wohnen„Happiness is not always the best way to be happy.“ – Monstermädchen Judith, Carols Schwarm

Ein Kinderfilm für Erwachsene: Mit der Adaption des Kinderbuchklassikers „Where the Wild Things Are“ brachte Spike Jonze („Being John Malkovich“) ganze Hollywood-Studios gegen sich auf. Ursprünglich sollte Universal Pictures die Veröffentlichung übernehmen. Nach unüberbrückbaren Differenzen sprang Warner in die Bresche. Dort wollte man das rund 75 Millionen Dollar teure Werk nach seiner Fertigstellung am liebsten komplett neu drehen. Denn Jonze blieb sich treu und lieferte einen Film, der dem Independent deutlich näher steht als gängiger Familienunterhaltung. Ein mutiger Schritt. Aber einer, der sich gelohnt hat.

Das Drehbuch schrieb Jonze gemeinsam mit Dave Eggers („Away We Go“). Kontinuierlich konsultierte das Duo Maurice Sendak, den Autor der Vorlage. Der hatte einer Verfilmung, ursprünglich als Zeichentrickversion angedacht, lange skeptisch gegenüber gestanden, ließ sich von Jonzes Vision aber umstimmen und vor allem überzeugen. Zu Recht, wird die abenteuerliche Lehrstunde eines ungezogenen Jungen doch zum hintergründigen und eigenwillig versponnenen Kinoerlebnis. Kindgerecht ist das wahrlich nicht geraten, für kleine Zuschauer eher unverständlich und sogar befremdlich.

Dass der Film finanziell hinter den Erwartungen zurück blieb, mag vorhersehbar erscheinen. Warner vermarktete ihn für ein adultes Publikum, das sich für die Kindergeschichte aber nicht erwärmen mochte. Im Gegensatz zu den Kritikern, die Jonzes Mut als Sieg über kommerzielle Konventionen feierten. Tatsächlich ist die Geschichte des unbändigen Rabauken Max (begeisternd: Max Records), der nach einem Streit mit der alleinerziehenden Mutter (Catherine Keener, „Into the Wild“) ausreißt und sich auf eine von Monstern bewohnte Insel träumt, eine melancholische Ode an die Fantasie und das Kind in jedem von uns. Einer wohlfühligen Wirklichkeitsflucht entspricht die in tristen Handkamerabildern gedrehte Geschichte allerdings nicht.

Auf seiner Reise trifft Max eine Gruppe zotteliger, meist uneiniger und durchaus zerstrittener Ungetüme mit Hang zur Traurigkeit, die den Knirps im Wolfskostüm zu ihrem Häuptling krönt. Mit Konflikten beladen, wirken die Ungeheuer wie ein typischer Familienverbund. Man zankt sich, ist verstimmt und versöhnt sich. Vorläufig. Das innere Gefühlstohuwabohu des Jungen kehrt sich nach außen. Humorvoll und turbulent geht es durchaus zu, wenn der König ein Fort errichten will und durch Carol (mit der Stimme von „Sopranos“-Star James Gandolfini) sein eigenes Verhalten zu hinterfragen lernt. Doch die Melancholie klart nie wirklich auf. Am Ende bleibt der Monsterverbund sich selbst überlassen. Für Zwist und Zank braucht es schließlich keine Traumwelt.

Wertung: (8 / 10)

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