Wizo – Uuaarrgh! (1994, Hulk Räckorz/Fat Wreck)

wizo-uuaarrghEs gibt nur wenige deutschsprachige Independent-Bands, die es außerhalb des Teutonenlandes zu Bekanntheit brachten. Mitte der Neunziger, als der Punk endgültig salonfähig wurde und Labels wie Fat Wreck Chords und Epitaph zu wahren Hitschmieden avancierten, erfolgte der Blick über den Tellerrand. Noch bevor die TERRORGRUPPE zur Jahrtausendwende kurzzeitig bei Epitaph unter Vertrag genommen wurde, empfahlen sich WIZO als Botschafter des Widerstands. Viel von den Texten verstanden haben dürfte NOFX-Frontmann und Fat Wreck-Vorsteher Mike Burnett nicht, als er „Uuaarrgh!“, das dritte Album der Sindelfinger außerhalb Deutschlands (in kürzerer Neuauflage) herausbrachte.

Aber seien wir ehrlich, Musik ist ein verbindendes Gefühl, das auch abseits verinnerlichter Inhalte blendend funktioniert. Und mit dem grünen „Fert“ auf dem Cover – genau, das mit der Ölablassschraube! – kann sowieso nichts schief gehen. Neben „Raum der Zeit“, auf dem zweiten Fat Wreck-Labelsampler in alle Welt gestreut, wurde „Kopfschuss“ zum Kulthit einer ganzen Generation. Melodisch, treibend und mit ordentlich Wut im Bauch zogen WIZO politisch vom Leder und brachten auch genug Eloquenz mit, um die nähere Beschäftigung mit ihren Texten zu forcieren. Aber das ist nur eine Facette des Trios.

Denn die Schwaben beherrschen auch makabre Absurditäten („Tod im Freibad“, „Gemein“) und melancholische Zwischentöne („Hey Thomas“, „Die letzte Sau“), ohne je von der gestandenen Kurzweil abzurücken. Vereinzelt englisch gesungene Songs, Highlights sind „Just Go“, „How Could I’ve Known“ oder der „K.O.“ betitelte Finalausflug Richtung Hardcore, setzt es obendrauf. Unter den insgesamt 25 Titeln finden sich vom irrwitzigen Intro an Hits in Serie (nicht unerwähnt bleiben dürfen auch „Irgendwo, Nirgendwo“, „Das goldene Stück Scheiße“ und „Hund“). Mit wandelbarem Tempo und ansteckender Spielfreude verbinden WIZO Message mit Nonsens. „Uuaarrgh!“ ist eine Platte für die Ewigkeit. Und das nicht allein für Punk-Fans aus dem Inland.

Wertung: (8,5 / 10)

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