Wisdom in Chains / Evergreen Terrace – Split (2025, Dead Serious Records)

Splits dienen – wie EPs – gern als Überbrückungsmedien, um die Wartezeit auf neue Langspieler zu verkürzen. Die gemeinsame Veröffentlichung der mit je vier Tracks vertretenen WISDOM IN CHAINS und EVERGREEN TERRACE zieht seinen Reiz u. a. daraus, dass die Erstgenannten mit Ex-DEATH BEFORE DISHONOR-Bassist Frankie Poupolo im vergangenen Jahr ihren neuen Frontmann vorgestellt haben. Und der zeigt zum Auftakt gleich, wohin die Reise von WISDOM IN CHAINS mit ihm geht. Denn der Einstieg „The Gospel“ ist ein wuchtig geschmetterter Mix aus Mid-Tempo-Hardcore, Straßen-Punk und punktiert eingestreuten Metal-Gitarren.
Das prägende Element bleiben aber die gern mehrstimmig geschmetterten Vocals samt OhOhOh-Chören. Diese Weiterentwicklung des Sounds mag überraschen, verfehlt ihre Wirkung aber keineswegs. Allerdings – das zeigen auch das rockig beginnende „Reach Out“ und das flotte, wiederum hymnisch unterfangene „Mindset“ – erscheint der Sound für die Verhältnisse der Band fast schon ein bisschen zu voluminös. Da darf die Fangemeinde gespannt sein, mit wie viel Wumms die neuen Songs bei Konzerten der Mannen aus Pennsylvania aus den Boxen dröhnen. Und das vor allem, da das finale „All Fucked Up“ im Verhältnis doch etwas dreckiger produziert wirkt.
Soundtechnisch schlagen EVERGREEN TERRACE in eine ähnlich druckvolle Kerbe. Allerdings ist der Unterschied in der Auslegung des Hardcores (und dem unerbittlichen Brüllgesang) durchaus üppig. Denn das Gespann aus Florida präsentiert metallischen Hartkern mit Melodic-Hardcore- und Klargesangs-Abstechern Richtung Post-Hardcore; ein gutes Beispiel bildet der Aufmacher „Jail on Christmas“. Die drei Beiträge (das Schlussstück ist lediglich eine Demo-Version des bereits vorab präsentierten „Restless Leg Syndrome“), darunter eine angemessen knüppelige Cover-Version des DEAD KENNEDYS-Klassikers „Nazi Punks Fuck Off“, geben sich brachialer und weniger Party-tauglich als bei WISDOM IN CHAINS, bewahren sich im Gegenzug aber auch ein Stück Unberechenbarkeit.
In Summe bietet die Split für Fans beider Lager gehobenes Ohrenfutter mit einer großzügigen Portion Produktionsbombast. Aufgrund der ansteckenden Eingängigkeit haben WISDOM IN CHAINS zwar knapp die Nase vorn, Lust auf mehr machen aber zweifelsfrei beide Combos. Kurzum: Ein Überbrückungs-Output mit stattlichem Krawall- und Spaßanteil.
Wertung:
(7,5 / 10)
