Wir werden uns wiederseh’n (D/CH 2006)

wir-werden-uns-wiederseh'nDas ist es wieder, jenes Moment, auf das sich der deutsche Film, ob groß ob klein, am besten versteht: Geschichten direkt aus dem Leben, das Melancholische im Sozialen. Durch die Digitalkamera des Regie-Duos Stefan Hillebrand und Oliver Paulus („Wenn der richtige kommt“) sogar im dokumentarischen Stil. Die Bilder kommen ungeschönt, ohne Filter. Auf ähnlich direkte Weise agieren auch die Darsteller. Die nüchterne Befindlichkeitsstudie, bedacht mit dem schwelgerischen Titel „Wir werden uns wiederseh’n“, wirkt oft improvisiert. Das mehrt die Natürlichkeit.

Es ist ein Ball der einsamen Herzen. Nur ohne Glanz. Dafür mit rustikalem Charme und der Umgebung eines Alten- und Pflegeheims im Süden der Republik. Dorthin hat es Pfleger Holger (Tom Jahn, „Free Rainer“) verschlagen, der aus Berlin geflüchtet ist. Vor sich selbst, der Verantwortung und seiner Unfähigkeit, feste Bindungen einzugehen. Auch in der neuen Heimat stürzt er sich in gleich mehrere amouröse Abenteuer, was Küchenhilfe Barbara (Pola Kinski, „Komplizinnen“) und Heimleiterin Petra (Isolde Fischer, „Vier Minuten“) schwer zusetzt.

Holger weckt Hoffnungen in den Damen, die er schlussendlich unmöglich erfüllen kann. Der Zwang macht ihn hilflos. Enttäuschungen sind vorprogrammiert. Das unangekündigte Auftauchen seiner Berliner Ex-Freundin macht die Angelegenheit nicht weniger kompliziert. Auch die örtliche Selbsthilfegruppe verspricht keinen Gewinn, schließlich ist deren Leiter zugleich der einzige Teilnehmer. Aber da ist ja noch die alte Frau Kramer (Lieselotte Langer), eine von Holgers Patientinnen, die im Haus Schlager singende Geister gesehen haben will. Sie ist eine gute Seele, die stets das Positive sieht. Egal wo.

Vor dem Stadtbild Mannheims kreuzen sich die Pfade der verlorenen Seelen. Die Skurrilität wirkt beizeiten gewollt, wenn die Musikkapelle Mardi Gras.bb in voller Montur durch den Altenstift flaniert oder Frau Kramers Bad von Synchronschwimmerinnen begleitet wird. Doch sie lockert die Tristesse auf, schließlich soll dem Drama auch das Poetische, das Tragikomische anhaften. Durch die Unauffälligkeit des Spiels und der Regie erhält sich die Geschichte ihre Glaubwürdigkeit. Am Ende bewegt sich nicht viel. Aber es bewegt sich etwas. Und wenn es nur die Umarmung eines Baumes ist.

Wertung: (7 / 10)

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