Windstruck (ROK/HK 2004)

windstruckLiebe auf den ersten Blick sieht anders aus. Als der junge Lehrer Myeong-woo Ko (Jang Hyeok, „Volcano High“) einen Handtaschendieb verfolgt, hält ihn die dienstbeflissene Polizistin Kyung-jin Yeo (Ji-hyeon Jeon) für den Täter. Sie nimmt ihn in Gewahrsam und verweigert sich auch nach Klärung des Missverständnisses standhaft einer Entschuldigung. Über Umwege werden die beiden trotzdem ein Paar und aus Sorge um ihre Sicherheit folgt er ihr bei gefahrvollen nächtlichen Einsätzen. Das Glück jedoch ist nicht von langer Dauer.

Eine Romanze zwischen einer toughen Zicke und einem Weichei? In Südkorea ist das nichts Neues. Jae-yong Kwaks bereits 2004 gedrehte Tragikomödie „Windstruck“ erinnert in Hälfte eins überdeutlich an seinen drei Jahre zuvor veröffentlichten Klassiker „My Sassy Girl“. Die bezaubernde Hauptdarstellerin Ji-hyeon Jeon hat er gleich übernommen, was den Wiedererkennungswert nur mehr steigert. Einer eigenen Linie folgt die turbulente Liebelei erst spät und verzettelt sich dann in kitschiger Überdramatisierung.

Dass der mit surrealen Zügen versehene Film dennoch sehenswert geriet, verdankt er paradoxerweise seiner Sprunghaftigkeit. „Windstruck“ steckt wie eine Wundertüte voller Überraschungen und würfelt ohne Rücksicht auf einen narrativen roten Faden Genres (auch musikalische) und Erzählstrukturen durcheinander. Ähnlich rabiat stürzt sich Yeo in den Dienst und nimmt es mit vorgehaltener Waffe auch schon mal mit einer ganzen Gangsterbande auf. Blutige Schießereien und Demütigungen dienen als Kontrastmittel zur ruhig abgehandelten Beziehung. Nicht selten wirken diese Episoden jedoch wie ein Störfaktor.

Das Verhältnis zwischen den Hauptfiguren wirkt dagegen prüde, was die Darsteller durch ihre Spielfreude aber auszugleichen wissen. Poetisch, charmant und ein bisschen verrückt nimmt die skurrile Liebesgeschichte an Fahrt auf. Dann erfolgt der Bruch: Als Ko ums Leben kommt, verliert Yeo Halt und Lebensmut. Auch sie will sterben und dem Geliebten folgen, der als Windhauch zu ihr zurückzukehren versprach. Am Ende, wenn Ji-hyeon Jeons „My Sassy Girl“-Partner Tae-hyeon Cha einen Gastauftritt absolviert, bleibt als Essenz das Märchenhafte. Darauf einlassen können wird sich beileibe nicht jeder. Allen Abstrichen und Versäumnissen zum Trotz bleibt dennoch ein ungewöhnliches und – wenn man es denn zulässt – herzerwärmendes Werk.

Wertung: (6,5 / 10)

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