Willow (USA 1988)

Märchen ziehen immer. Es ist ihr zeitloser Charakter, die eindeutige Moral und das oft übernatürliche Moment, das sie für jede neue Generation gleichsam interessant gestalten. Das trifft auch auf das moderne Kino zu, wo klassische Märchenstoffe unter dem Sammelbegriff Fantasy jedoch mit der Lust am epischen Abenteuer vermengt werden. Die Blaupause der Geschichten erfuhr über die Jahrzehnte keine nennenswerte Veränderung: Meist geht es um eine/n böse/n Herrscher/in, ein zu erlangendes Artefakt oder eine gesuchte Person – und natürlich einen unscheinbaren Helden, der maßgeblich dazu beiträgt, dass das Gute am Ende triumphiert.

Als „Star Wars“-Urvater George Lucas 1988 „Willow“ auf die Leinwand brachte, blieb das Interesse des Publikums hinter den Erwartungen zurück. Zwar spielte die 35-Millionen-Dollar-Produktion allein in den USA rund 58 Millionen Dollar ein und erwirtschaftete insgesamt soliden Profit, die Zugkraft des Genres schien jedoch versiegt. Lucas, der als Produzent und Story-Lieferant fungierte, kam die Idee bereits in den 70er Jahren. Warten musste er aber vor allem auf den Reifeprozess der technischen Möglichkeiten, den er durch seine eigene Effektschmiede Industrial Light & Magic (ILM) maßgeblich vorantrieb. Für die Verkörperung des erwähnten unscheinbaren Helden wählte Lucas den kleinwüchsigen Warwick Davis, der bei „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983) und zwei TV-Spin-Offs den Ewok Wicket gespielt hatte.

Man kann das damit verbundene Sinnbild naiv nennen: Der (buchstäblich) kleine Mann im Kampf gegen das mächtige Regime. Aber auf dieser Grundlage fußte bereits „Star Wars“. Darüber hinaus bietet die von Ron Howard („Apollo 13“), der in Lucas‘ „American Graffity“ (1973) mitgespielt hatte, als Regisseur dargelegte Welt ausreichend Augenfutter. Den Aufhänger für die Reise des von Davis verkörperten Bauern Willow Ufgood liefert die böse Königin Bavmorda (Jean Marsh, „Oz – Eine phantastische Welt“). Laut Prophezeiung wird ein weibliches Baby mit eindeutigem Mal ihren Untergang bedeuten. Also lässt sie ihre Häscher nach dem Kind suchen, das über Umwege natürlich beim Zauberer-Ambitionen hegenden Willow landet. Doch nach einer Attacke monströser Jagdhunde ist der Aufruhr im Zwergen-Dorf – in Nebenrollen treten Billy Barty („Legende“), Kenny „R2-D2“ Baker und Tony Cox („Beetlejuice“) in Erscheinung – groß.

Also begibt sich Willow ins Reich der Menschen, um das Baby einem vertrauenswürdigen Individuum zu übergeben. Da sich keines findet, muss der in einen Käfig gesperrte Schwertkämpfer Madmartigan (lässig: Val Kilmer, „Tombstone“) genügen. Für Willow ist die Pflicht damit aber längst nicht erfüllt. Erst recht nicht, als er von der geisterhaften Elfenkönigin den Auftrag erhält, das Elora Danan genannte Kind zu beschützen. Begleitet von zwei Däumlings-großen Brownies (u. a. gespielt von Kevin Pollack, „Die üblichen Verdächtigen“) und dem widerwillig in den Kampf eingreifenden Madmartigan macht er sich auf, die in ein Tier verwandelte Zauberin Fin Raziel (Patricia Hayes, „Die unendliche Geschichte“) zu finden und Bavmorda die Stirn zu bieten. Doch deren Tochter Sorsha (Kilmers spätere Ehefrau Joanne Whalley, „Tod im Spiegel“) und der mit Totenkopfmaske bestückte General Kael (Pat Roach, „Red Sonja“) erweisen sich als hartnäckige Widersacher.

Die Geschichte überschlägt sich nicht unbedingt vor Originalität und auch Howards Inszenierung bleibt oft mehr funktional als wirklich packend. Wer über die offensichtlichen Schwachpunkte hinwegsieht, erlebt dennoch ein vergnüglich kurzweiliges Fantasy-Spektakel mit guten Darstellern, einer Prise Romantik (bezogen auf Madmartigan und Sorsha) und nicht vollends angestaubten Tricks. Der vorrangig durch die Brownies transportierte Humor wirkt beizeiten infantil, wird durch ordentliches Tempo, kernige Action und possierliche Stop-Motion-Monster aber souverän überlagert. Der auch hinter der Kamera prominent bestückte Blockbuster – neben Effekttüftler Phil Tippett („Der Drachentöter“) und Produzent Joe Johnston (Regisseur u. a. von „Wolfman“) steuerte auch Komponist James Horner (Oscar für „Titanic“) sein Scherflein bei – macht schlicht Laune und will nie mehr sein als die Summe seiner Einzelteile. Wem das allein nicht reicht, sollte der von Lucas co-verfassten „Schatten“-Trilogie eine Chance gewähren, mit der er das Thema zumindest auf literarischer Ebene fortsetzte.

Wertung: (7 / 10)

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