Willkommen in der Hölle (I/E 1971)

„Es ist leichter Gott zu trauenwillkommeninderheolle als deinem Nächsten. Denn Gott bescheißt dich nie.“ – Burt

Lachen ist gesund. Es belebt den Geist, löst Spannungen und lässt die Trübnis der Psyche verschwinden. Außer wenn Schadenfreude, mehr noch zynische Häme darin liegt. Aber selbst das kann befreien. Wie viel Vergnügen bereitet die kaltblütige Ermordung eines unbewaffneten Zivilisten? Eine Kugel, mitten in den Rücken. Dabei bleibt es nicht. Im Mündungsfeuer breitet sich Panik aus. Menschen stürzen zu Boden. Nur einer lacht, schallend. Es ist der Mann am Galgen, der mit der Schlinge um den Hals. Das Massaker gilt seiner Befreiung.

Corrado Pani („Hetzjagd ohne Gnade“) gibt als Killer Burt einen charismatisch psychopathischen Scheißkerl ab. Die Bande, die zu seiner Befreiung angeheuert wurde, wird ausbezahlt. Danach putzt er sie mit seinem Gewehr vom Pferd, einen nach dem anderen. Der Sinn steht nach Höherem. Also trifft der Flüchtige mit seinen Kompagnons Phil (Luis Dávila, „Der feurige Pfeil der Rache“) und Ted (Antonio Salines, „Pakt mit dem Tod“), wenig später komplettiert von Phils Geliebter Mary (Claudia Gravy, „Der Tempel des blutigen Goldes“), in einer Geisterstadt zusammen. Von dort aus überfallen sie eine Postkutsche. Das Blatt wendet sich. Burt wird angeschossen und vermeintlich tot in der Wüste zurückgelassen.

Das Szenario wirkt fremdartig. Ausgeblichene Farben und greller Lichteinfall lassen die Optik wie aus einer anderen Welt erscheinen. Dazu die Musik, von dröhnendem Synthesizer getragener Rocksound. Er schafft eine unwirtliche Atmosphäre. Fast wie in einem Endzeitfilm. Gesprochen wird nur wenig. Bilder sagen mehr als Worte. Vor allem die von Julio Ortas („Lauf um dein Leben“, „Spiel dein Spiel und töte, Joe“). Sein fulminantes Handwerk ist geprägt von Unschärfen und beklemmenden Beobachtungsfahrten durch verfallene Kulissen. Der Einsatz des Krans eröffnet immer neue Perspektiven. Das schafft Unruhe, nicht zuletzt Unbehagen.

In der Folge greift Misstrauen um sich. Zurück im verlassenen Unterschlupf denkt niemand daran, die Beute zu teilen. Also versteckt Phil das geraubte Gold. In der hereinbrechenden Nacht entfacht ein Feuer. Die Suche nach dem Schuldigen führt sie zu einer alten Frau (Ana María Mendoza, „Eine Kugel für McGregor“), der letzten Bewohnerin des ausgestorbenen Wüstenkaffs. Wenig später verirrt sich die junge Witwe Bridget (Ana María Noé, „Sabata“), nach ihr auch ein entkräfteter Reiter (Lou Castel, „Mögen sie in Frieden ruhen“) in das Nest. Die gegenseitigen Verdächtigungen nehmen zu. Die Anspannung steigt, zumal auch der psychopathische Phil die geldgierige Mary begehrt. Als schließlich der tot geglaubte Burt auftaucht, entlädt sich die Strenge der Situation in Gewalt.

Cesare Canevaris („Black Magic“) bizarrer, von Elementen des expressionistischen Gruselfilms durchzogener Italo-Western ist eine freie, visuell überragende Neuverfilmung des weit weniger aufregenden Genrebeitrags „Die sich in Fetzen schießen“ (1967). Die Form gebietet über den Inhalt, weshalb der simple Plot auch mehr als Aufhänger für die experimentelle Extravaganz verstanden werden darf. Die psychedelische Tonalität greift auch auf die Charakterisierung der grob gehauenen Figuren über. Im Schatten des Gesindels glänzt Lou Castel als Opfer, das seine Wehrlosigkeit im Finale ablegt und den Banditen mit einem Köcher voll Bumerangs einheizt, wobei die Kamera die Flugbahn nachahmt. Ein außergewöhnlicher Genrefilm.

Wertung: (8 / 10)

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