Willkommen bei den Sch’tis (F 2008)

willkomen-bei-den-schtis20 Millionen Franzosen können nicht irren. Behauptet zumindest das Filmplakat von „Willkommen bei den Sch’tis“. Die Kulturclash-Komödie lockte die Zuschauer gleich scharenweise in die Kinos und avancierte zur erfolgreichsten heimischen Produktion überhaupt. Selbstredend ist das nicht gleichbedeutend mit einer Unfehlbarkeit des Publikums. Bei „Die Besucher“ irrten sich unsere französischen Nachbarn schließlich auch. Der kinematographische Herdentrieb aber erregte Neugier im Ausland, so dass der Start allein in teutonischen Breiten mit ungewöhnlich ausgeprägtem Medieninteresse verfolgt wurde.

Wäre es nicht um den Sensationserfolg, könnte die kurzweilige Vorurteilsposse ruhigen Gewissens vernachlässigt werden. Ulkig ist der Schwank um den Postbeamten Philippe Abrams (Kad Merad, „Paris, Paris“), der vom sonnigen Süden in den tristen Norden strafversetzt wird, schon, nur fußt er auf dramaturgischer Schlichtheit und einer fast schon fahrlässigen Vorhersehbarkeit. Die kleine Stadt Bergues, die Philippes neue Heimat wird, liegt nahe der belgischen Grenze. Bewohnt wird sie von einem Völkchen, dass aufgrund seines unverständlichen Dialektes mit dem Spitznamen Sch’tis bedacht wurde.

Natürlich sträubt sich der Versetzte erst, ranken sich um die Bewohner des kalten Nordens doch die windigsten Gerüchte. Vor Ort angekommen, sieht er seine ärgsten Befürchtungen bestätigt, wenig später jedoch sind sie bereits in alle Richtungen zerschlagen. Für die daheim gebliebene Gemahlin Julie (Zoé Félix, „Die Herzen der Männer“), die nur am Rande von depressiven Schüben geplagt wird, hält Philippe das Konstrukt übler Vorurteile aufrecht. Dabei sind die Sch’tis ganz reizende Menschen. Besonders der unglücklich verliebte Postbote Antoine (Dany Boon, „Mein bester Freund“), der noch bei Muttern haust, gern einen über den Durst trinkt und als Hobbyglöckner den örtlichen Kirchturm in Wallung bringt.

Kompliziert wird es, als Julie aus ehelicher Opferungsbereitschaft heraus beschließt, dem Gatten in der Fremde beizustehen. Um das aufgetürmte Lügenkonstrukt wahrheitsgemäß zu unterfüttern, funktionieren Philippe und seine neuen Freunde eine verlassene Bergarbeiterstadt in ein stalinistisch angehauchtes Elendsörtchen um, in dem garantiert jedes Vorurteil überproportioniert abgebildet wird. Die Hauptdarsteller Merad und Boon, der sich obendrein als Co-Autor und Regisseur hervortat, sind in Frankreich populäre TV-Komiker. Ihr grandioser Kinoerfolg wirkt zwischenzeitlich ebenfalls wie ein gespielter Witz aus der Glotze. Die Einleitung ist zu lang, die humoristische Güte zu Wankelmütig. Amüsieren kann man sich dennoch, auch weil die deutsche Synchronisation den harmlosen Spaß nie der Peinlichkeit preisgibt.

Wertung: (7 / 10)

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