Willard (USA 2003)

willard-2003„Willard. Im Keller sind Ratten.“

Diese ebenso nüchterne wie schicksalhafte Feststellung aus dem Munde der altersschwachen Mrs. Stiles (Jackie Burroughs, „Dead Zone“, gerichtet an ihren exzentrischen Sohn Willard (Crispin Glover, „Gilbert Grape“), bildet den Ausschlag für eine Kette absonderlicher Ereignisse. Deren tödlicher Mittelpunkt windet sich um einen ganzen Stamm der ungebetenen Nager im maroden Hause der Stiles. Denn als der verschrobene Einzelgänger Mutters Aufforderung zur Ausmerzung des heimischen Kellers nachkommen will, findet er in der weißen Ratte Sokrates einen treuen wie intelligenten Freund. Mehr noch entdeckt er bald darauf die Gabe, sich den pelzigen Mob durch die Kraft seiner Worte hörig machen zu können.

Mit dieser destruktionsfreudigen Verstärkung sieht Willard endlich die Chance gekommen, seinem despotischen Vorgesetzten Frank Martin (R. Lee Ermey, „Full Metal Jacket“) die Jahre der Demütigung und nicht zuletzt die unrechtmäßige Aneignung der väterlichen Firma, die den langsamen Verfall des Erzeugers bis zum schließlichen Tode nach sich zog, in aller Härte heimzuzahlen. Probleme treten allerdings auf, als sich Willard den ungewohnten Annäherungen seiner schüchternen Arbeitskollegin Joan (Elena Laura Harring, „Mulholland Drive“) erwehren muss und im familiären Domizil ein erbitterter Machtkampf zwischen dem Hausherren selbst und der übergroßen Ratte Ben entfacht.

Das Regiedebüt des renomierten Drehbuchautors Glen Morgan („Final Destination“), der aus der Vorlage Gilbert A. Ralstons auch das Skript fertigte, ist die angenehm anachronistische Aufbereitung des gleichnamigem Kult-Horrorfilms von 1971. Der seinerzeit durch den gezielten Einsatz von 50 dressierten Ratten als absolutes Novum in der Historie des Kinos gefeierte Streifen influenzierte den Tierhorror jenes Jahrzehnts maßgeblich und wurde ein Jahr später unter dem Titel „Ben“ sogar fortgesetzt. Die stimmungsvolle und mit zahlreichen ironischen Untertönen angereicherte Neuverfilmung des Stoffes präsentiert derweil 550 abgerichtete Spezimen, die gegen Ende durch die gelungene Potenzierung am Computer gar zur unüberschaubaren Armee anwachsen und den menschlichen Mitstreitern beinahe die Schau stehlen.

Doch bietet „Willard“ mit Crispin Glover und R. Lee Ermey in den Hauptrollen gleich zweierlei renomierte wie meist sehenswerte Darsteller. So auch hier. Die beiden Akteure beschreiten die Pfade von Orginal-Willard Bruce Davison, der in Gestalt von Fotos und Bildern als Vater der Titelfigur in Erscheinung tritt, und seinem damaligen Opponenten Ernest Borgnine mit Herzblut und Ausdrucksvermögen. Etwas blass bleibt einzig Laura Harring, die im Film Clint Eastwoods einstige Lebensgefährtin Sondra Locke in der Rolle der liebenswerten Kollegin beerbt. Glen Morgans neuerliche Verarbeitung der Geschichte um Einsamkeit, Selbsthass und unterdrückte Gefühlswelten versprüht bei guter Ausstattung, nostalgischer Bildsprache und Robert McLachlans hervorstechender Kameraführung atmosphärisches B-Ambiente, dass nicht zuletzt aufgrund Shirley Walkers („Final Destination 1+2″) an den Stilismus Danny Elfmans erinnernden Score Tribut an den überragenden Kinomagier Tim Burton entrichtet.

Filmfreunde sollten ihr Ohrenmerk derweil auf den Soundtrack richten, der neben dem 1972 vom damals noch dunkelhäutigen Michael Jackson eingesungene und Oscar-nominierte Titelsong „Ben“ auch eine von Hauptakteur Glover eingestreute Neuauflage des selbigen enthält. Unter dem Strich bildet „Willard“ eine atmosphärische Schauermär mit exzellenten Tierdarbietungen und einem überragenden Crispin Glover mit sorgsam geöltem Mittelscheitel in der Rolle des sozialen Sonderlings. Visuell packend umgesetzt und gewürzt mit schwarzem Humor, lohnt es diesen unterschätzten amerikanischen Kinoflop als Verleihpremiere definitiv zu entdecken.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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