Wilderness (GB 2006)

wildernessDie Wiedereingliederung straffälliger Jugendlicher in die Gesellschaft kann tödliche folgen haben. Zumindest dann, wenn sich die neue Generation britischer Horrorfilmer ihrer Erziehung annimmt. Nach dem verdienten Erfolg von Neil Marshalls „The Descent“ versucht sich Regisseur Michael J. Bassett, dessen Erstling „Death Watch“ bei atmosphärischer Grundierung mehr versprach, als er letzten Endes halten konnte, an einem weiteren minimalistisch konzeptionierten Schocker: „Wilderness“. Darin wird eine Gruppe junger Krimineller zu pädagogischem Zwecke auf ein bewaldetes Eiland gesandt. Der Trip wird zum Überlebenskampf, als ein Unbekannter mit roher Gewalt ihre Reihen lichtet.

„Teach them a bloody lesson“, heißt es von oberster Stelle, als ein Mithäftling die Schmach der Unterdrückung nicht länger erträgt und sich selbst die Pulsadern öffnet. Die Lektion bedeutet für dessen Zellengenossen – unter anderem Toby Kebbell („Dead Man’s Shoes“) und Steven Wight („Highlander: The Source“) – einen disziplinarischen Ausflug, bei dem die Häftlinge lernen sollen als Gruppe zu funktionieren. Dass vorangehender Ausspruch buchstäblich zur Realität wird, bekommt Aufseher Jed (Sean Pertwee, „Dog Soldiers“) bald am eigenen Leib zu spüren. Für den Rest beginnt die Flucht vor einem unsichtbaren und scheinbar bestens geschulten Feind.

Bar jeder Ironie und ohne jegliche Identifikationsfigur betritt der Film dünnes Eis. Weil sich der Zuschauer kaum um Leben und Überleben der Protagonisten schert, kommt im Todeskampf keine Spannung auf. Die notwendige Charakterisierung der Todgeweihten verursacht gerade im Anfangsdrittel kleinere Längen, die, nachdem der Killer zur Jagd auf die Opferschar geblasen hat, in ein garstiges Schaulaufen heftiger Gewalt mündet. Ohne jeden Anflug von positivem Gegengewicht vollzieht sich das Grauen, übernimmt Elemente von „Herr der Fliegen“ bis „Die letzten Amerikaner“, und setzt voll auf die Wirkung brutaler Bilder.

An kompromissloser Härte und spritzendem Blut wird nicht gespart, dafür am Feinschliff der Handlung. Es wird gerannt, sich angefeindet und gestorben. Mehr nicht. Auch die Identität des Mörders birgt keinerlei Überraschungsmoment, da die Flüchtigen selbst frühzeitig des einzigen Rätsels Lösung präsentieren. „Wilderness“ reduziert eine stimmige Ausgangssituation auf barsche Tötungsakte und blutige Effekte. Die Splatterfraktion mag sich daran wenig stören, doch schränkt gerade das die Zielgruppe des Films drastisch ein. Das Vergnügen bleibt ein durch und durch zwiespältiges.

Wertung: (5 / 10)

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