Wild Card (USA 2015)

wild-cardIn bemerkenswerter Konstanz bringt Jason Statham auf der Leinwand Knochen zum Bersten. Lässt man aber Ensemble-Auftritte wie in „The Expendables“ oder „Fast & Furious“ außen vor, offenbart sich schnell ein Problem. Denn obwohl der kantige Brite bei seinen jüngeren Solo-Vorstellungen (u.a. „Redemption – Stunde der Vergeltung“ oder „Homefront“) stets eine gute Figur machte und auch darstellerisch meist mehr zeigen durfte als den stumpfen Übermenschen, reichte keiner seiner Auftritte über wohlige Solidität hinaus. Statham ist eine Wucht, seine Filme nur partiell. Wundern sollte daher wenig, dass sich diese Faustformel auch auf „Wild Card“ übertragen lässt.

Der von Simon West („The Expendables 2“) kompetent gefertigte Thriller ist die zweite Verfilmung von William Goldmans („Der Marathon-Mann“) Roman „Heat“. 1987 wurde dieser bereits mit Burt Reynolds verfilmt – unter dem Titel „Heat – Nick, der Killer“. Nun macht also Statham das US-Glücksspielmekka Las Vegas auf Basis eines von Goldman selbst verfassten Drehbuchs unsicher und hadert als Nick Wild mit der Entscheidung, die verruchte Wüstenstadt hinter sich zu lassen. Zum Broterwerb lässt sich der Nahkampfspezialist für allerlei Aufträge anheuern, geht wie bestellt zu Boden, damit ein Klient seine Herzensdame beeindrucken kann, oder gibt dem juvenil wirkenden Millionär Cyrus Kinnick (Michael Angarano, „The Knick“) sicheres Geleit in die Casinos.

Als Nicks alte Flamme Holly (Dominik García-Lorido, „Magic City“) vom sadistischen Danny DeMarco (Milo Ventimiglia, „Heroes“) vergewaltigt und halbtot geprügelt wird, spannt sie den Verflossenen in ihre Rachepläne ein. Der weigert sich nur kurz und mischt den Unmenschen samt Gefolge rigoros auf. Das daraus resultierende Nachspiel sorgt für kernige Haudrauf-Intermezzi, bei denen Statham von Action-Dirigent Corey Yuen („The Transporter“) spektakulär in Szene gesetzt wird. Der Clinch mit DeMarco ist allerdings nur ein Handlungsstrang. Der geschwätzige Rest dient Nicks Selbstfindung und einer zu üppig ausgewalzten Glückssträhne, die es ihm potenziell erlauben würde, Las Vegas dauerhaft den Rücken zu kehren.

Der Plot ist von einer stimmungsvollen Melancholie durchzogen, die mit der zynischen Coolness Stathams wunderbar harmoniert. In seinen besten Momenten erinnert „Wild Card“ an die Geschichten Elmore Leonards. Nur lässt die flüchtige Erzählung die nötige Stringenz vermissen. So plätschert der Film am Zuschauer vorüber, wirft in loser Folge bekannte Gesichter ins Geschehen – neben Stanley Tucci („Die Tribute von Panem“) und Hope Davis („Real Steel“) gibt es ein Wiedersehen mit Anne Heche („Hung“) sowie Jason Alexander („Seinfeld“) – und verabschiedet sich mit einem Scharmützel, bei dem Nick seine Überlegenheit allein mit einem Löffel und einem Menümesser unter Beweis stellt. Lässig, abgefuckt und trotzdem seltsam ziellos – der amüsanten Mittelpracht entgeht Jason Statham damit auch diesmal nicht.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Scream – Schrei! (USA 1996)

    Die Renaissance des Slasherfilms heißt „Scream“. Mit der cleveren Hommage an „Halloween“ und Co. löste Kultregisseur Wes Craven („Nightmare on Elm Street“) einen neuen Boom kostengünstiger Mainstream-Produktionen aus, in denen die Barbies und Kens der MTV-Generation von wahnsinnigen Serienkillern massakriert wurden, mehr noch bis heute werden. Die ironische Verknüpfung von Klischees und Reminiszenzen, beruhend auf…

  • Bee Movie – Das Honigkomplott (USA 2007)

    Bienen können sprechen. Als hätten wir es nicht schon immer geahnt. Und das auch noch mit der Stimme von Kult-Komiker Jerry Seinfeld („Seinfeld“), der den Animationsspaß „Bee Movie“ nicht nur produzierte, sondern auch am Drehbuch mitschrieb. Daraus resultieren Erwartungen, denen der Film nicht standhält. Dreamworks ist trotz Erfolgen wie „Ab durch die Hecke“, „Madagascar“ und…

  • Lauf um dein Leben (I/F 1968)

    Manuel Sanchez, genannt Cuchillo, kam beim Publikum an. Sergio Sollima, der große Denker des italienischen Unterhaltungskinos drehte drei Spaghetti-Western. Für die Besetzung tragender Rollen griff er stets auf Tomas Milian zurück, den er in „Der Gehetzte der Sierra Madre“ als jenen mexikanischen Underachiever Cuchillo einführte. „Von Angesicht zu Angesicht“ folgte mit „Lauf um dein Leben“…

  • American Monster (USA 1982)

    „Wir wissen doch alle, New York ist berühmt für gutes Essen.“ Mehr als zwanzig Jahre vor seinem Comeback in Quentin Tarantinos „Kill Bill“ (2004) betätigte sich „Kung Fu“-Star David Carradine als Drachentöter. In „American Monster“ wird die Spitze des Chrysler Building zur Brutstätte eines geflügelten Ungeheuers, das schnell menschliche Gegenwehr forciert. Geschrieben, produziert und inszeniert…

  • Ted (USA 2012)

    „No matter how big a splash you make in this world, whether you’re Corey Feldman, Frankie Muniz, Justin Bieber or a talking teddy bear, eventually, nobody gives a shit.“ – „Star Trek: Next Generation“-Kapitän Patrick Stewart als Erzähler Wenn „Family Guy“-Erfinder Seth MacFarlane einen Film fürs Kino dreht, ist Respektlosigkeit Programm. Und obwohl „Ted“ sein…

  • Stepfather II (USA 1989)

    „I find that everything in life begins or ends with the family. One way or another.” – Fanatischer Familienmensch: Jerry Was für einschlägige Kino-Slasher gut ist, kann für eher zurückhaltende Thriller kaum schädlich sein. Die Rede ist natürlich von Fortsetzungen, die den Erfolg ausreizen, so lange sich noch Eintrittskarten verkaufen lassen. Oder eben in früheren…