Wicker Man – Ritual des Bösen (USA 2006)

wicker-man-2006Neil LaButes „Wicker Man“ ist der verstorbenen Punk-Rock-Legende Johnny Ramone (1948-2004) gewidmet. Eine durchaus zweifelhafte Ehre, hat das Remake des gleichnamigen britischen Gruselklassikers von 1973 mit den rasanten drei Akkorden der Ramones in etwa so viel gemein wie das von LaBute („Nurse Betty“) eigenhändig verfasste Drehbuch mit nervenzerrender Spannung. Sein geschwätziger Mummenschanz bleibt ohne Atmosphäre und vergeudet als schieres Sprechpuppentheater das Talent einer immerhin ansprechenden Besetzung.

Nicolas Cage („Ghost Rider“) spielt den Polizisten Edward Malus auf dem gewohnt schmalen Grat zwischen Ausdrucksstärke und Überagitation. Ein Brief der früheren Geliebten (Kate Beahan, „Flightplan“) schickt ihn auf die beschauliche Insel Summersisle, wo er das Verschwinden ihrer jungen Tochter aufklären soll. Die reservierten Bewohner begegnen ihm mit Argwohn, scheinen mehr noch einem heidnischen Naturkult verfallen. Das legt den Verdacht nahe, das vermisste Mädchen könnte Opfer eines Ritualmordes geworden sein.

Nicht nur, dass der zäh erzählte Film keinerlei Reizpunkt aus der Geschichte fördert, das gesamte Szenario lässt auch jegliche Nachvollziehbarkeit vermissen. Das gilt insbesondere für Hauptfigur Malus. Ohne Befugnisse schnüffelt er in der ihm gänzlich unbekannten Gemeinde herum und wird nicht müde, seinem mangelnden Einfluss durch barsches Benehmen Ausdruck zu verleihen. Mitfiebern lässt dies Gebaren nicht. Zumal der Ermittler Lehrerin Molly Parker („Deadwood“) mit gezückter Schusswaffe gebietet, auf einem verlassenen Waldweg von ihrem Fahrrad zurückzutreten. Das ist selbst der unfreiwilligen Komik zu viel.

Charismatische Anführerin der Glaubensgemeinschaft ist Ellen Burstyn („Requiem for a Dream“), die als weiblicher Nachfolger die originale Rolle von Christopher Lee füllt. Gegen Ende darf sie blau-weißes „Braveheart“-Make Up auftragen und ihre Getreuen zum Opferstock führen. Für die Handlung bleibt das, wie so vieles mehr, ohne jeden Belang. Doch nicht nur ihre, auch die Verpflichtungen von Frances Conroy („Six Feet Under“) und Leelee Sobieski („The Glass House“) verpuffen ohne jeden Zugewinn für die misslungene Abhandlung der Geschichte.

Cage und der Heidenkult – eine Beziehung bar jeder atmosphärischen Grundlage. Von im Kern wiederkehrenden Visionen und Bienen heimgesucht, folgt er den Spuren, bis, ja bis eine radikale Schlusswendung Einzug hält. Im allgegenwärtigen Unvermögen der Inszenierung verfehlt aber selbst diese Ziel und Zweck, weil der von sonnigem Klima umspielte Okkultismus-, wohlgemerkt nicht übersinnliche Thriller jeden Bezug zur Essenz des Genres vermissen lässt. Und das ist nicht nur fahrlässig, sondern in höchstem Maße ärgerlich.

Wertung: (3 / 10)

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