Where in the World is Osama Bin Laden? (USA 2008)

where-in-the-world-is-osama-bin-ladenIn seinem ersten Film „Super-Size Me“ stellte sich Morgan Spurlock im Selbstversuch der Frage, wie übermäßiger Fast Food-Konsum auf den menschlichen Körper wirkt. Diese stark einseitig vermittelte Art der Dokumentation lehnte sich bewusst an Michael Moore an. Der Erfolg aber gab ihm Recht. Mit „Where in the World is Osama Bin Laden?“ treibt Spurlock das aufklärerische Spiel noch ein Stück weiter und zeigt dem amerikanischen Publikum, dass die vermeintlich fanatisierten Wilden in den terroristischen Hochburgen auch nur Menschen sind. Mit Sorgen, Hoffnungen und einer allgegenwärtigen Lebensgefahr.

Der Eindruck mag trügerisch sein, doch scheint es bei amüsanten linkspopulistischen Filmwerken wie denen von Moore oder Spurlock meist um sorgsam vorgekaute Meinungsbildung zu gehen. Natürlich hält sich das Vorurteil eines in der breiten Masse relativ ungebildeten Amerika hartnäckig, aber muss man den mündigen US-Bürger tatsächlich in allen Belangen an die Hand nehmen und von jeder wesentlichen Information zur nächsten führen? Auch bei der Fahndung nach Osama Bin Laden verhält es sich so. Aufhänger ist die Schwangerschaft von Spurlocks Lebensgefährtin, die in ihm Zweifel regt, ob er sein Kind in einer solch gefährlichen Welt aufwachsen sehen will.

Als Grundpfeiler der Bedrohung macht er den Top-Terroristen und Al-Qaida-Führer Bin Laden aus, auf dessen Kopf eine stattliche Belohnung ausgesetzt ist. Und so macht sich der Regisseur auf die Suche, bereist die Krisenregionen des nahen und mittleren Ostens, führt Interviews mit Zivilisten, fundamentalistischen Radikalen und setzt ein Puzzle diffuser Stimmungen und Ansichten zusammen. Die Kernaussage ist dabei, dass selbst in den Zentren des Terrorismus ein Großteil der Menschen gegen die heimtückische Ermordung als Mittel eines vermeintlichen Gotteskrieges ist. Noch in der Heimat steht vorangestellt die Gefahr medienwirksam aufbauschendes Überlebenstraining an. Verhaltensweisen im Entführungsfall, Selbstverteidigung, Überlebensregeln.

Die Inszenierung wirkt oft verspielt, über Computeranimationen und anderen optischen Schnickschnack sollen abermals Tempo und Unterhaltungswert gesteigert werden. Das wirkt inflationär, denn Spurlock verfügt über ausreichend Charme, um den Film auch in der eigenen Realität zu tragen. Titel und Motivation sind dabei selbstverständlich nur das Antriebsaggregat, über das sich der islamischen Kultur und ihrer Veränderung durch Terrorgefahr und westlichen Argwohn genähert wird. Die Mittel sind einfach kalkuliert und durchschaubar. Wirklich bissig wird es nur selten, beispielsweise wenn die Präsenz des Filmemachers in Israel orthodoxe Juden zur offenen Feindseligkeit treibt. Es bleibt die hehre Absicht eines in seiner Ausformulierung recht plumpen Dokumentarfilms.

Wertung: (6 / 10)

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