Westworld (USA 1973)

westworld„There´s no way to get hurt here. Just enjoy yourself.” – John

Unter den Kinoutopien der Siebziger ist „Westworld“ eine der eindrucksvollsten. Das liegt an den ersten am Computer entstandenen Bildern der Filmgeschichte, mehr noch am empfindlichen Nerv, den Urheber Michael Crichton („Runaway – Spinnen des Todes“), in der Hauptsache Bestsellerautor („Dino Park“), mit seiner zweiten Regiearbeit traf. Denn die Rebellion der Maschinenmenschen findet ausgerechnet in einem hoch technologischen Freizeitpark statt und zielt damit genau auf die Vergnügungssucht der Wohlstandsgesellschaft. In der spiegelt sich auch die Angst des Menschen wider, vom Fortschritt einverleibt zu werden.

Den geschiedenen Anwalt Peter (Richard Benjamin, „Catch 22“) und seinen Kumpel John (James Brolin, „Unternehmen Capricorn“) verschlägt es in den wilden Westen, neben Mittelalter und Römerzeit die dritte Welt des futuristischen Vergnügungsparks Delos. Für 1.000 Dollar am Tag können gelangweilte Besserverdiener aus ihrem Alltag ausbrechen und in authentisches Ambiente und erlebbare Historienklischees eintauchen. Das Vergnügen wird durch den Einsatz menschlich erscheinender Roboter gemehrt, die unter anderem zu programmierten Duellabläufen mit Colt oder Schwert bereit stehen.

Der Unterschied zwischen Mensch und Maschine ist auf den ersten Blick nicht feststellbar. Er liegt in den Waffen, die nur bei den verkabelten Widersachern Wirkung zeigen. Daneben können die Cyborgs sprechen, trinken sowie bei Bedarf umgelegt werden, wobei sich aus ihren Wunden gar künstliches Blut ergießt. Auch für die fleischlichen Gelüste stehen eigens programmierte Modelle zur Verfügung, wobei jedoch vermieden wird, auf die Technik der nachträglichen Reinigung einzugehen. Hinter den Kulissen der rustikalen Erlebniswelten arbeitet unermüdliches Personal in High-Tech-Kontrollzentren an der reibungslosen Aufrechterhaltung der Illusion.

Das klappt solange, bis einige Roboter – darunter der von Yul Brynner („Die glorreichen Sieben“) verkörperte Gunslinger – ein eigenes Bewusstsein entwickeln und sich mit tödlicher Präzision an die Auslöschung der Gäste machen. Bis es soweit ist, schaffen die vorgegaukelten Realitäten der Anlage bleibende Eindrücke. Die bedrohliche Atmosphäre jedoch resultiert aus den roboterhaft wirkenden Abläufen der Mitarbeiter in den Computerzentren. Einer gewissen Grundnaivität kann sich Crichton nicht entziehen, wenn er den standesgemäßen 70´s-Look auch durch die Zeitlosigkeit der historischen Rahmenbedingungen seines Themenparks auszugleichen versteht.

Die Hintergründe wirken recht krude, wenn zum Beispiel von einer sich ausbreitenden Seuche unter den Robotern die Rede ist. Über ungehörte Befürchtungen tritt schließlich die Negation menschlicher Allmachtfantasien. Die Krone der Schöpfung erhebt sich selbst in Gottes Stand und bekommt die Quittung auf schmerzhafte Weise gereicht. Dank der surrealen Grundidee, Crichtons versierter Inszenierung und eines beängstigend eisigen Yul Brynner fesselt die böse Vision auch heute noch. Ein Klassiker durch und durch, drei Jahre später mit dem ähnlich gelungenen „Futureworld“ fortgesetzt.

Wertung: (8 / 10)

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