Werewolves (USA 2024)

In einer US-Großstadt werden wieder Wohnhäuser und Geschäfte verrammelt. Auslöser ist aber nicht eine neue Ausgabe von „The Purge“, sondern ein Supermond. Wer mit dem Begriff nichts anfangen kann: Dabei handelt es sich um einen Neu- oder Vollmond, der sich im oder um den erdnächsten Punkt seiner Umlaufbahn (dem Perigäum) befindet. Und dieser Supervollmond verwandelt Menschen in Werwölfe. Denn – das ist die durchaus originelle Grundkonstellation in „Werewolves“ – alle Erdbewohner tragen Wolfsmensch-DNS in sich. Nun darf man sich fragen, warum das Lycaner-Chaos nicht schon früher ausgebrochen ist. Wirklich selten sind Supermonde nämlich nicht. Aber gewisse Fragen stellt man bei Filmen dieser Güteklasse einfach nicht.

Immerhin wird die Geschichte in kompakten 90+ Minuten abgehandelt. Und darum wird auch nicht viel Zeit an eine Herleitung verplempert. Die besteht aus einer Mischung aus Texteinblendungen und Erläuterungen von Wissenschaftler Aranda, gespielt von 80er-Kinostar Lou Diamond Phillips („Young Guns“). Und der berichtet, dass der nächste Supermond-Aufgang unmittelbar bevorsteht. Ergo die verbarrikadierten Gebäude im „The Purge“-Stil. Der wiederholte Verweis möge verziehen werden, aber die Parallelen sind streckenweise unverkennbar. Auch der Besetzung Frank Grillos wegen, der in den „Purge“-Teilen zwei und drei mitgewirkt hat und hier in ähnlich gestrickter Rolle mitten ins Geschehen katapultiert wird. Allerdings ist sein Wesley Marshall nicht nur Ex-Soldat, sondern auch Teamleiter der globalen Schnellhilfe – und ganz nebenbei vermutlich der muskulöseste Molekularbiologe der Filmgeschichte.

Mit Aranda, Amy (Katrina Law, „Arrow“) und anderen Wissenschaftlern hat er einen Moonscreen genannten Mondlicht-Blocker entwickelt, der die Menschen vor der verheerenden Einwirkung des Supermondes schützen soll. Getestet werden kann das vielversprechende Gegenmittel allerdings erst, wenn dieser aufzieht. Dabei werden in der Herleitung Aspekte aufgeworfen, die danach nie vertieft werden. So ist Amys Geliebter beispielsweise einer der Moonscreen-Probanden (ein anderer trägt passenderweise Wolverine-Gedächtnis-Koteletten). Nur wird er rasch vom Drehbuch vergessen. Also stolpert die Erzählung zugunsten gängiger Klischees lieber über sämtliche Möglichkeiten hinweg, die eine Exposition der Ausgangssituation geboten hätte. Und das vor allem, wenn die Versuchsreihe außer Kontrolle gerät und sich alle Beteiligten größtmöglich idiotisch anstellen.

So bleiben am Ende nur Wesley und Amy übrig, um sich einen gefahrvollen Weg durchs Stadtgebiet zu bahnen. Und neben den auf Beute lauernden Werwölfen müssen sie sich auch noch vor dem Supermond in Acht nehmen, um sich nicht selbst in reißende Bestien zu verwandeln. Das Ziel – zumindest für Wesley – ist zugleich Schauplatz der Nebenhandlung. Die rankt sich um Lisa (Ilfenesh Hadera, „Godfather of Harlem“), die Frau von Wesleys verstorbenem Bruder, die sich mit ihrer Tochter zuhause verschanzt hat. Jetzt kann man sich wundern, warum der Schwager, gemessen an seiner Position, nicht für besseren Schutz oder gar alternative Unterbringung gesorgt hat. Aber dann könnten Lisa und Kind schließlich nicht von einer Gruppe Werwölfe bedrängt werden, zu der auch der patriotisch geschminkte Redneck-Nachbar Cody (James Michael Cummings, „Dead Reckoning“) zählt.  

Jedenfalls ist Wesleys Schlussetappe damit klar abgesteckt. Und weitere Parallelen zu „The Purge“ ebenfalls. Allerdings bietet „Silent Night“-Regisseur Steven C. Miller kaum mehr als mäßigen Horror-Rabatz mit B-Flair. Die Spannungsarmut des Szenarios resultiert auch daraus, dass einem die gesichtslosen Figuren weitgehend am Arsch vorbeigehen. Dabei sind immerhin die Tricks sehenswert geraten. Denn bei der Gestaltung der Werwölfe wurde nicht nur auf CGI gesetzt, sondern auch auf handgemachte Masken. Wirkung erzielt daneben auch der streckenweise mit Synthesizer angereicherte Score. Allerdings versprüht der allein mehr Retro-Charme als das Gesamtwerk. Obendrauf gibt es eine moderate Portion Blut und Gekröse. Aber eben keine echte Spannung. Auch der Action-Anteil fällt eher dosiert aus. Es bleibt eben erkennbar, dass das Budget nicht allzu große Möglichkeiten – vor allem für globale Ausmaße á la „World War Z“ – geboten hat. Dass der Streifen hierzulande nicht im Kino gezeigt wurde, verwundert unter dem Strich jedenfalls nicht.  

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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