Werewolf Woman (I 1976)

werewolfwomanHeidnisches trägt sich zu auf der Lichtung im viktorianischen Forst: Nackt tanzt eine Frau im Feuerkreis, schüttelt das Haar, die Oberweite und bleckt auch die Lende lüstern Richtung Kamera. In Krämpfen wälzt sie sich anschließend am Boden. Und während der Off-Erzähler vom schauerlichen Werwolf palavert, wird die Gute geschwind am ganzen Körper mit Fell behängt (ein Knaller sind die haarigen Brüste mit Meterzitzen). Kunstgebiss und Köterschnauze bekommt sie auch, der Rest vom gräulich geschminkten Gesicht bleibt jedoch frei. Ein weiblicher Werwolf mit Vollbart wäre des Guten auch wirklich zu viel!

Trotz unfreiwilliger Komik, der Einstieg in Rino Di Silvestros („Die Orgien der Cleopatra“) Genre-Hybrid „Werewolf Woman“ macht atmosphärisch durchaus was her. Denn nachdem die Wolfsfrau den Mond angeheult hat, muss sie sich gleich einem wütenden Fackelzug erwehren, der ihr als Lynchmob den Garaus machen will. Einen durchs Unterholz tretenden Widersacher fällt sie schnaubend an und treibt ihm blutsprudelnd die Axt in den Schädel. So macht der Euro-Sleaze Spaß! Eine Einstellung später ist sie bereits gefasst und in Erwartung fachgerechter Ausmerzung angebunden. Doch alles ist nur ein Traum, aus dem die junge Daniela (Annik Borel, „Die Blutorgie der Satanstöchter“) schreiend erwacht.

Nachdem sie eine Vergewaltigung in der Jugend traumatisiert hat, brachte der Vater sie aufs Land, wo die Familie üppigen Besitz vorweist. Auf gleichem Grund wurde auch die Werwölfin vom Anfang abgefackelt – natürlich eine Vorfahrin der Familie, der die geplagte Daniela auch noch wie aus dem Gesicht geschnitten gleicht. Nachdem sie sich in Aufzeichnungen und Berichte der Lykanthropie eingelesen hat, steigert sich die junge Frau in Visionen und Wahnvorstellungen, die auch in ihr das Tier erwachen lassen. In der Konsequenz schmeißt sich die wollüstige Wolfsfrau an ihren Schwager heran – und beißt ihm beim Liebesspiel gleich ein Loch in den Hals.

Di Silvestros krude Mixtur aus Horror und softpornografischem Gefummel schafft eine eigentümliche Atmosphäre, wirkt in der auf Nacktheit fokussierten Abarbeitung am Ahnenkomplex aber bald reichlich dröge. Zwar wird der Tod des Schwagers als Unfall abgetan, eingeliefert wird die zu Hysterie und wüsten Beschimpfungen neigende Daniela aber dennoch. Amüsieren kann man sich beim dramatisch aufgeheizten Niedergang durch die dämliche Synchronisation trotzdem prächtig: „Und, wie ist jetzt der allgemeine Zustand der Patientin?“ / „Sie erholt sich leider viel langsamer als wir erhofften. Sie befindet sich in einem Zustand nächtlicher Schizophrasie. Sie ist hypermanisch mit anhaltenden phobischen Komplexen.“

Einen Ausbruch, ein paar nackte Körper und blutbeschmierte Leichen später scheint ein verständnisvoller Stuntman Danielas Heilung einzuläuten. Vater scheint erleichtert, die Polizei fahndet dennoch fieberhaft weiter. Als sie wieder Opfer einer brutalen Vergewaltigung wird, nimmt Di Silvestro noch fix die Ausfahrt in Richtung Rape ´n Revenge-Thriller und kehrt für ein den Kreis schließendes Finale in den Wald zurück. Bemerkenswert an diesem freizügig schmierigen Italo-Exploiter ist die Performance der Borel, die mit vollem Körpereinsatz wirklich alles gibt. Außer ein paar verschenkten psychologischen Aspekten regiert vor allem trashige Belanglosigkeit, reißen doch weder die spärlichen Schocks noch die erzählerischen Stimmungswechsel wirklich mit.

Wertung: (4 / 10)

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