Wer tötete Bambi? (F 2003)

wer-toetete-bambiDas süße Rehkitz aus Disneys Klassiker „Bambi“ weicht im französischen Thriller „Wer tötete Bambi?“ der jungen Krankenschwester im Praktikum Isabelle (Sophie Quinton, „Mütter“). Ihren Spitznamen erhält sie vom charismatischen Chirurgen Dr. Philipp (Laurent Lucas, „Pola X“), geschuldet ist er ihren weichen Knien. Isabelle leidet unter Gleichgewichtsstörungen. Sie fühlt sich zu Dr. Philipp hingezogen, erhält aber bald einen Blick hinter die Fassade des angesehenen Mediziners. Denn der Halbgott in Weiß verbirgt einen eiskalten Psychopathen, der Patientinnen narkotisiert und anschließend missbraucht. Weil Isabelle Beweise fehlen, ermittelt sie auf eigene Faust und gerät ihrerseits ins Visier des Triebtäters.

Das Kinodebüt des Kurzfilmregisseurs Gilles Marchand, auch als Co-Autor fungierend, ist eine ungewöhnlich eigentümliche Mischung aus Thriller und Drama. Weitgehend beschränkt auf das Areal des Krankenhauses, baut sich schnell eine kühle, vom sterilen Weiß des Hospitals getragene Atmosphäre auf. Spannung hingegen sucht man vergebens, wird der soziopathische Dr. Philipp doch bereits eingangs zum Unhold gestempelt. Das darauf fußende Psychoduell zwischen Arzt und angehender Krankenschwester schwelgt in elegischen Bildern, verfolgt über die zähe Erzählweise aber kein klares Ziel.

Mit guten Darstellern und kleinen Mängeln ist „Wer tötete Bambi?“ ein durchweg interessanter Film, dessen Potential aber phasenweise ungenutzt bleibt. Die Inszenierung gibt sich abseits der stimmigen Fotografie zu behäbig, um über die Lauflänge von fast zwei Stunden wirklich zu fesseln. Der Zirkel der involvierten Figuren bleibt eng gezogen, große Schritte Richtung überraschender Wendungen erlaubt die Konzeption des Thriller-Dramas nicht. Der weitgehend stille Film fordert dem Zuschauer Sitzfleisch ab. Das macht ihn keineswegs schlecht, obgleich eher Genießern anti-effekthascherischem Schauspielerkinos zugänglich.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

 

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