Watchmen – Die Wächter (USA 2009)

watchmen„The world will look up and shout `Save us!´ And I’ll whisper `No`.“ – Rorschach

Der Comedian (Jeffrey Dean Morgan, „Supernatural”) ist tot. Ein maskierter Unbekannter überfiel den alternden Hünen in seiner Wohnung und warf ihn aus dem Fenster. Der Ermordete gehörte zu einer Gruppe von Superhelden, die Amerika nach dem Zweiten Weltkrieg zu beschützen wagte. Jahrzehnte später, in den mittleren Neunzehnachtzigern, tritt Richard Nixon seine bereits fünfte Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten an. Er hatte die kostümierten Vigilanten gesetzlich verbieten lassen. Und bis auf Rorschach (Jackie Earle Haley, „Little Children”), der von der Polizei gesucht in den Untergrund ging, ist die zweite Generation der Beschützer diesem Erlass gefolgt.

Als unverfilmbar galt der legendäre Comic „Watchmen“, den die Briten Dave Gibbons und Allen Moore 1986 kreierten und mit dem sie das Genre der übernatürlichen Helden und Schurken einem vornehmlich erwachsenen Publikum zuordneten. Regisseur Zack Snyder, der mit der visuell atemberaubenden Schlachtplatte „300“ einen Überraschungserfolg feierte, durfte für die Leinwandversion der zwölfteiligen Heftreihe geschätzte 200 Millionen Dollar verpulvern. Ein Wagnis schier bombastischen Ausmaßes, geriet die Adaption der optisch faszinierenden Parallelrealität doch nicht nur überlang, sondern auch ausgesprochen blutig.

Mit Hilfe des Überwesens Dr. Manhattan (Billy Crudup, „Almost Famous”) , einem verstrahlten Wissenschaftler, hat Nixon den Krieg in Vietnam gewonnen und hält seitdem auch die Sowjets in Schach. Während sich nun der russische Einmarsch in Afghanistan zuspitzt, geraten die Supermächte an den Rand eines nuklearen Holocaust. An anderer Front versucht Rorschach seine alten Gefährten (u.a. Patrick Wilson, „Lakeview Terrace”) vor dem Killer zu warnen und zugleich die verschwörerischen Hintergründe für den Mord am Comedian aufzudecken. Mit Erzählelementen des Film Noir und einer fast sklavischen Orientierung an den Bilderwelten der Vorlage schafft Snyder – ungeachtet des stark abgewandelten Schlussviertels – damit eine überwältigende Anti-Utopie, die sich Konventionen beharrlich verweigert.

Sein Mix aus Blockbuster und Kopfkino ist ein hintergründiger, von politischen Anspielungen und kulturellen Querverweisen geprägter Sinnesrausch. Die zumeist unbekannten Schauspieler sind mehr Beiwerk denn zentrale Antriebsfeder, wenn sie ihre Rollen auch mit dem erforderlichen Ernst ausfüllen. Snyder lässt sich Zeit, hält immer wieder inne, um die Vergangenheit der dunklen Rächer zu beleuchten. Das schafft Längen, die im Kombinat mit der hochkomplexen Narrative zur Überanstrengung neigen. Und dennoch ist „Watchmen“ eine visionäre Mär über gebrochene Helden und das Wesen des Menschen, ein grimmiger und brutaler Blick in eine retrofuturistische Welt, die der unsrigen Realität in ihrer Abscheulichkeit nicht einmal gänzlich fern scheint.

Wertung: (8 / 10)

scroll to top