Was geschah mit Harold Smith? (GB/USA 1999)

wasgeschahmitharoldsmithEnde der Siebziger war Disco auf dem Rückzug und die Punkbewegung auf dem Vormarsch. Die Frage, ob der kulturelle, die Jugend über Jahre ins Gegenteil der Eltern verzerrende Wandel nun mit den Ramones in Amerika oder den Sex Pistols in England seinen Ursprung fand, regt auch heute noch zu leidenschaftlichen Diskussionen an. In „Was geschah mit Harold Smith?“ umgeht Peter Hewitt („Ein Fall für die Borger“) umfassende Einblicke ins Lebensgefühl zerschlissener Jeans und nietenverzierter Lederjacken und widmet sich ganz der individuellen Problemwelt des Erwachsenwerdens. Nun ja, fast.

Im Fernsehen verblüfft Uri Geller ein Millionenpublikum, indem er Essgerät verbiegt und scheinbar defekte Uhren zum Laufen bringt. Doch was Uri Geller kann, das kann Harold Smith (Tom Courtenay, „Doktor Schiwago“) schon lange. Mehr noch verfügt der unscheinbare Brite mittleren Alters über die Gabe, via Gedankenkraft Dinge bewegen zu können. Während einer Zauberdarbietung in einem Seniorenheim bewegt er mehr als gewollt, was den versehentlichen Stillstand eines Herzschrittmachers nach sich zieht. Prompt landet Harold im Gefängnis, was den Anwalt Nesbit (David Thewlis, „The New World“) auf den Plan ruft.

In dessen Diensten steht Harolds Sohn, der passionierte Discofan Vince (Michael Legge,  „Die Asche meiner Mutter“). Dieser verliebt sich gleich zweimal in seine Arbeitskollegin Joanna (Laura Fraser, „Ritter aus Leidenschaft“), ahnt er doch nicht, dass sie sich auch hinter der Punkerin verbirgt, die sein ganzes Leben umkrempeln wird. Der angesehene Wissenschaftler Peter Robinson (Stephen Fry, „Peter´s Friends“), Joannas Vater, soll Harold Smith derweil als Schwindler entlarven, verkündet ihn im Angesicht seiner Fähigkeiten aber bald als neuen Messias. Und damit ist der Gipfel kollektiver Hysterie längst nicht erklommen.

Skurril, verschroben und bis zum obskuren Finale konsequent andersartig stellt „Was geschah mit Harold Smith?“ eine eben typisch britische Humoreske. Auf den Schultern von Vinces Coming-of-Age-Geschichte nimmt die schrullige, dabei stets liebenswert gelassene Farce die Fassade der Kleinbürgerlichkeit aufs Korn. Seitenhiebe auf Macht und Ohnmacht der Massenmedien sind willkommenes Begleitgut, ebenso das treffliche Zeitkolorit, in dem der fest verschweißte Figurenzirkel miteinander verwoben bleibt. Der Clash der verschiedenen Lebensstile wird durch die glänzende Darstellerriege lebendig – und macht Peter Hewitts nie klamottige Zeitreise zu einem besonderen Leckerbissen für Freunde entarteter Komödienkost.

Wertung: (7 / 10)

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