Was das Herz begehrt (USA 2003)

wasdasherzbegehrtDas Konzept vom kalkulierten und am Reißbrett zusammengewerkelten Kassenschlager ging seltener derart schlüssig auf, als im Falle von „Was das Herz begehrt”. Denn Nancy Meyers („Was Frauen wollen”) erbringt in Personalunion von Autorin, Produzentin und Regisseurin neuerlich den Beweis, dass die Zugkraft namhafter Hollywoodsternchen jegliche Schwächen eines Skripts überwinden kann. Wenn zudem noch der störrischste aller Schauspiel-Esel, Jack Nicholson („Besser geht’s nicht”) , immerhin mit drei Oscars in den Satteltaschen, in die Hauptrolle schlüpft, dann ist zumindest durch die physische Präsenz des diabolisch grienenden Mimen darstellerische Klasse garantiert.

Ihm Gegenüber bzw. zur Seite stehen mit Diane Keaton, zum ersten Male seit Warren Beattys „Reds” von 1981 gemeinsam mit Nicholson vor der Kamera, Frances McDormand („Fargo”), Keanu Reeves („Matrix”) und Amanda Peet („Identität”) weitere Topakteure, wenngleich die beiden letztgenannten mit undankbaren Nebenrollen Vorlieb nehmen müssen. Gleichwohl ist es Nicholson hoch anzurechnen, dass er sein Image als Lebemann mit erhöhtem Frauenverschleiß im aufziehenden Lebensabend auf derart amüsante Art zu persiflieren versteht, bildete doch bereits das grandiose Drama „About Schmidt” die eigenhändige Demontage seines Status als immergeiler Playboy.

Einen solchen verkörpert er auch hier, begnügt sich die von ihm verkörperte Figur des Harry Sanborn doch einzig mit Frischfleisch unter 30. Eben solche wie die attraktive Marin (Amanda Peet), mit welcher der notorische Schwerenöter ein freizügiges Wochenende im Landhaus ihrer Familie verbringen möchte. So kommt es, dass Harry mit heruntergelassenen Hosen von der geschiedenen wie erfolgreichen Theaterautorin Erica Barry (Diane Keaton), Marins Mutter, sowie deren Schwester (Frances McDormand) bei der Plünderung des häuslichen Kühlschrankes ertappt wird. Nach ersten Auslotungen beschließt man, das Wochenende unter einem Dach, obschon getrennter Wege zu beschreiten, schließlich ist Harrys ausufernder Lebensstil der altersnahen Erica doch offenkundig mehr als zuwider.

Die Situation spitzt sich derweil zu, als Harry, den Koitus vor Augen, eine plötzliche Herzattacke überrumpelt und er auf Anraten des örtlichen Arztes Julian (Keanu Reeves) eine erholsame Ruhephase abseits der Großstadt verordnet bekommt – natürlich im Hause der Barrys. Allen Unmutes zum Trotze kann die gutmütige Erica der Gesundung Harrys keinen Stein in den Weg rollen, so dass sie ihn wiederwillig in ihre Obhut übernimmt. Man schließt profanen Frieden und kommt sich zwischen Zankereien und grundsätzlichen Auffassungsdisparitäten allmählich näher. Komplikationen treten erst auf, als Erica eine Kostprobe von Harrys emotionsloser Auslebung der menschlichen Triebe durch die Zuneigung des sichtlich jüngeren Julian erhält.

Mit „Was das Herz begehrt” schraubt Regisseurin Nancy Meyers einen weiteren amüsanten Schnellschuß in Sachen romantischer Komödie zusammen und folgt dabei strikt der mehrspurigen Autobahn aus Kitsch und Klischees zum programmierten Erfolg. Zwar entbieten die durchaus gepfefferten Wortgefechte der sympathischen Hauptakteure einen gewissen Biss, doch schwankt der Film im Winde der Vorhersehbarkeit unaufhörlich zwischen stimmiger Situationskomik und fadem Einheitsbrei. Bis zum offenkundig glücklichen Ausgang verliert sich Meyers zusehends in holprigen Nichtigkeiten und serviert gegen Ende eine wahre Halde überflüssiger Wendungen, die einzig inszenatorische Zähigkeit heraufbeschwören und das Sehvergnügen merklich trüben. Darüber hinaus verschwitzt es der Film schlicht, die transparenten Nebenrollen mit Glaubwürdigkeit und Leben anzureichern.

So kann man sich in Gesellschaft der munteren Darstellerriege durchweg gut unterhalten fühlen, über das Standardrepertoire genretypischer Liebeskomödien reicht die Starbesetzung jedoch nicht hinaus. Neben einigen Zweifeln an der Nominierung Diane Keatons für den diesjährigen Oscar als Beste Hauptdarstellerin, welche wohl eher auf dankbares Kanonenfutter für die spätere Preisträgerin Charlice Theron hinausläuft, bleibt die solide Beteiligung des deutschen Kameramannes Michael Ballhaus („GoodFellas”), sowie das Aufkommen einiger unfreiwillig komischer Anschlußfehler zu erwähnen, die unter anderem Jack Nicholsons Hemd in der erwähnten Kühlschranksequenz je nach Einstellung wahlweise komplett zugeknöpft oder lässig geöffnet aufzeigen. Was das Herz wirklich begehrt, bekommt man zwar nicht aufgetischt, doch für eine leicht verdauliche Zwischenmahlzeit reicht es allemal.

Wertung: (6 / 10)

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