War (USA 2007)

warstathamActionfilme des neuen Jahrtausends sind hart, laut und schnell. Ansonsten hat sich im Genre wenig geändert. Hier stehen die Helden, dort lauern die Schurken. Sie entsprechen Klischees mit festem Stand, an denen, wenn überhaupt, nur im asiatischen Raum gerüttelt wird. Dort verwischen die Grenzen, sind die Guten nicht gänzlich gut und die Bösen nicht vollends böse. Das macht Eindruck. Bis nach Hollywood hat sich diese meist von tragischen Zügen umwehte Variante zwar herumgesprochen, mehr als eine unkonventionelle Alternative wurde sie jedoch nie. Allein deshalb erweckt „War“ Aufmerksamkeit.

Das Kinodebüt des Rapvideo-Regisseurs Phillip G. Atwell will neben der modernen Spielart ästhetisierter Gewalt auch glaubhafte Charaktere auffahren. Ersteres gelingt, letzteres nicht. Auf die Essenz reduziert hätte der zynische Thriller besser funktioniert. Durch die angestrebte Tiefe gerät er in Schieflage. Die sich nach „The One“ abermals gegenüberstehenden Hauptdarsteller Jason Statham („Crank“) und Jet Li („Fearless“) verstehen sich zwar auf die äußerlichen Schauwerte, können die Figuren aber nicht aus der ihnen auferlegten Formelhaftigkeit befreien.

Martial Arts-Superstar Li ist der „Rogue Assassin“, so der Alternativtitel, ein Schatten mit mörderischer Profession. Niemand weiß, ob er wirklich existiert, geschweige denn in wessen Auftrag er handelt. Seine wahre Identität hat er durch chirurgische Eingriffe verwischt. Nun steht er zwischen den Fronten eines Krieges zwischen chinesischer und japanischer Mafia, Triaden und Yakuza. Ausgetragen wird er auf amerikanischem Boden, genauer in San Francisco, dem Revier von FBI-Agent Jack Crawford (Statham). Der will Rache an Rogue für seinen drei Jahre zuvor getöteten Partner üben.

Der grimmige Reißer ist gut besetzt und in der sehenswerten Action um Abwechslung bemüht, krankt aber an dem recht dürftigen Spannungsbogen. Die Verstrickungen des Killers bleiben vage, was der Atmosphäre gerade durch die umständliche Ausführung der Clanfehden nur bedingt zuspielt. Schauspielerisch regiert Emotionslosigkeit, die beim Mörder zum Rollenbild gehört, Cop Crawford aber nur leidlich überzeugende Zerrissenheit abringt. Seine Vendetta bleibt frei von Ironie und bringt dem rüden Ton angepassten Selbstzweck mit sich, wenn zur Weiterführung der Ermittlungen gefoltert und gemordet wird.

Gerade die attraktiv besetzten Nebenrollen kommen kaum zur Geltung. Die weiblichen Chargen Devon Aoki („Sin City“) und Nadine Velazquez („My Name is Earl“) verkommen zur Staffage. Dem gegenüber kann zumindest Ryo Ishibashi („Brother“) seiner Vorstellung des Yakuza-Führers Nachdruck verleihen. Am Ende überschlagen sich Wendungen, die zwar durchaus überraschen, dramaturgisch aber nur wenig ausgefeilt wirken. Im Finale verkehren sich noch schnell die Fronten, ehe der Zuschauer am hastigen Schlusspunkt allein gelassen wird. Die Action überzeugt, die Geschichte nicht. Immerhin für Fans eine sichere Bank.

Wertung: (5 / 10)

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