Wall Street 2 – Geld schläft nicht (USA 2010)

wallstreet2„Money’s a bitch that never sleeps.“ – Zurück im Geschäftsleben: Gordon Gekko

Gordon Gekko, der skrupellose Börsenspekulant aus Oliver Stones Klassiker „Wall Street“ (1987), ist zurück. Acht Jahre hat er wegen Insiderhandels im Gefängnis verbracht. Zu Beginn des neuen Jahrtausends wird er in eine Welt entlassen, die das von ihm vorgelebte Credo der Gier als wirtschaftliches Triebmittel verinnerlicht hat. Moralische Entfremdung scheint in dem von ihm einst so erfolgreich bespielten Finanzzweig mittlerweile zur Norm geworden zu sein. Er selbst wirkt wie ein Fossil, wie das riesenhafte Mobiltelefon, das ihm bei der Haftentlassung aus dem Fundus seines Privatbesitzes zurückgegeben wird.

Der manipulative Geschäftemacher, wiederum charismatisch gespielt vom seinerzeit Oscar-prämierten Michael Douglas, aber lässt sich vom verdienten Niedergang nicht aus der Fasson bringen. Vielmehr begreift er die Auferstehung in einer neuen hochtechnisierten Welt als Chance. Ohnehin ist er auf sich allein gestellt. Tochter Winnie (Carey Mulligan, „Brothers“) hat ihm nie verziehen, dass der Bruder nach seiner Verurteilung an Drogen zu Grunde ging. Sieben Jahre später ist Gekko Bestsellerautor und prangert in Vorträgen jene Geschäftspraktiken an, die ihm in der Vergangenheit Macht und Reichtum bescherten. Aber ist der gewiefte Stratege wirklich geläutert?

Der frühere Regie-Provokateur Stone („JFK“) versucht mit der späten Fortsetzung seines Kassenschlagers einen Zeitgeistkommentar zu den Folgen von Immobilienblase und Bankencrash abzugeben. An den Erfolg des Erstlings kann dies mit „Geld schläft nicht“ unterschriebene Sequel allerdings nicht anknüpfen. Die Verbindung von Yuppie-Portrait, Kapitalismuskritik und Börsen-Thriller funktioniert im neuen Jahrtausend einfach weit weniger packend. Vielleicht ist Stone aber auch einfach älter und des ewigen Kampfes gegen das Establishment müde geworden. Denn trotz sarkastischer Spitzen begnügt er sich mit einem konventionellen Drama, das sich nicht selten überflüssiger Übertreibung hingibt.

Winnie ist mit dem ambitionierten Broker Jacob (Shia LaBeouf, „Transformers“) liiert. Als das Lebenswerk seines Arbeitgebers und Mentors (Frank Langella, „Frost/Nixon“) zusammenbricht und diesen in den Freitod treibt, gibt Jacob dem einflussreichen Spekulanten Bretton James (Josh Brolin, „W.“) die Schuld und beschert dessen Unternehmen durch geschickten Insiderhandel horrende Verluste. Sichtlich beeindruckt nimmt James den jungen Jacob unter seine Fittiche. Doch paktiert der längst mit Gekko, seinem Schwiegervater in spe, der seinerseits die Chance gekommen sieht mit dem ihm bestens bekannten James abzurechnen.

Ein Kurzauftritt von Charlie Sheen, der an Douglas’ Seite im ersten Film der Versuchung Gekkos erlag, mag noch als Reminiszenz an die Glorie der Vergangenheit funktionieren. Der Subplot des Familienzwists, bei dem Winnie nicht verzeihen mag und Jacob mit Sorge zum Spielball des noch immer zwielichtigen Vaters werden sieht, bringt den Plot aber wiederholt vom eigentlichen Kern ab. So wechseln sich vorhersehbares Drama und halbgare Satire ab, die nur am Rande zum kritischen Kommentar über das Wesen der Finanzwirtschaft und ihrer mangelnden moralischen Verantwortungsbereitschaft wird. Die Kohlen aus dem Feuer holt letztlich allein Douglas, durch dessen sehenswertes Zutun immerhin zeitweise der Eindruck akuter Überflüssigkeit entkräftet wird.

Wertung: (5 / 10)

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