Wake Wood (GB/IRL 2011)

wakewoodJedem Horror-Fan sollte die britische Hammer-Produktionsfirma ein Begriff sein. In der Rolle des Vampirfürsten Dracula (wie auch von Frankensteins Monster) erlangte Christopher Lee Weltruhm und avancierte mit Leinwandwiderpart Peter Cushing zu Stars des Gruselkinos. Allerdings bedeuteten die schwindende Qualität und der Siegeszug des Splatterfilms in den Siebzigern den Niedergang des Gänsehautvorschubs von der Insel. Seit 2007 versucht das von John De Mol (genau, der „Big Brother“-Produzent) aufgekaufte Unternehmen wieder Fuß zu fassen.

Mit Ausnahme der gelungenen Neuauflage des schwedischen Vampirdramas „So finster die Nacht“ (unter dem Titel „Let Me In“) wurde bislang jedoch weitgehend banale Kost wie „The Resident“ präsentiert. Irgendwo dazwischen liegt der atmosphärische Horror-Thriller „Wake Wood“. In dem stellen Tierarzt Patrick (Aidan Gillen, „The Wire“) und seine Frau, die Apothekerin Louise (Eva Birthistle, „The Children“), mit ihrer aufgeweckten Tochter Alice (Ella Connolly) eine Familie wie aus dem Bilderbuch dar. Zumindest bis zum neunten Geburtstag des tierlieben Mädchens.

Als sie nämlich von einem Schäferhund angefallen und zu Tode gebissen wird, zieht es die von Schmerz und Trauer zerrütteten Eltern nach Wake Wood, eine kleine Ortschaft irgendwo im irischen Hinterland. Dort beobachtet Louise den Quasi-Dorfältesten Arthur (Timothy Spall, „The King’s Speech“) eines Tages bei einem merkwürdigen Ritual. Als er sich ihnen daraufhin offenbart, schöpfen die Eheleute neuen Mut. Denn Arthur kann Verstorbene, die nicht länger als ein Jahr unter der Erde begraben liegen, für drei Tage ins Leben zurück holen. Worauf das hinausläuft scheint klar. Nur ist Alice bereits länger als die eigentlich vorgeschriebene Frist tot, was die Freude über ihre Rückkehr bald in blankes Entsetzen verwandelt.

Neu ist dieser Ansatz natürlich nicht, schließlich erinnert man sich an Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ auch heute noch gerne. Die semi-originelle Geschichte von „Wake Wood“ erinnert in ihrer preisbewussten Umsetzung eher an die Neuauflage der Hammer-TV-Serien „House of Horror“ und „House of Mystery and Suspense“, was aber nicht gleich als schlechtes Vorzeichen missverstanden werden soll. Die irische Landschaft nämlich erhält dadurch einen sehr schroffen Touch und festigt in diesem eine gespenstische Atmosphäre.

Zudem scheint die Zeit in Wake Wood still zu stehen. Des Fortschritts Zeuge sind einzig die riesigen elektronischen Windmühlen am Rand des Dorfes. Die kolossalen Stromerzeuger trennen die irreale Sphäre des mysteriösen Ortes von der modernen Welt ab. Das sogar buchstäblich, können die von Arthur erweckten Wiedergänger die Grenzen Wake Woods doch nicht verlassen ohne erneut und endgültig zu vergehen. Im letzten Drittel darf noch solide Blut vergossen werden, ehe das wirklich bitterböse Finale Einzug hält und die Erinnerung an erwähnte Hammer-Fernsehspiele mit überraschender Härte zurückbringt. Großes Kino ist all das sicherlich nicht, dafür aber ein solides Schauerstück mit wohlig ausgespielten Reizpunkten.

Wertung: (5 / 10)

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