Wächter des Tages (RUS 2006)

waechter-des-tagesDie russische Fantasy-Saga „Wächter der Nacht“ geht in die zweite – und vorläufig letzte – Runde. Es wird einen weiteren Film der Reihe geben, schließlich wurde das Konzept erfolgreich nach Hollywood verkauft. Timur Bekmambetovs Zusammenfassung der Bestsellerromane von Sergej Lukyanenko aber findet in „Wächter des Tages“ einen ersten Abschluss. Es ist schon erstaunlich, mit wie viel Einfallsreichtum der osteuropäische Kinozwerg der alten Mär vom ewigen Kampf Gut gegen Böse ein eigenes Gesicht verlieh. Nicht nur im Herstellungsland, in der ganzen Welt wurde das visuell beeindruckende Werk gefeiert. Dabei verdrängt wird gerne, dass hinter der schicken Optik Handlungsschwächen klaffen, die das Vergnügen merklich trüben.

In der Fortsetzung mehr noch als im Auftakt ist die Erzählstruktur verschachtelter Ereignisketten kompliziert, nicht selten schwerfällig. Es ist müßig zu erwähnen, dass des Originals unkundige Zuschauer kaum eine Chance erhalten in die Geschichte einzusteigen. Die spinnt das gefährdete Patt der kosmischen Kräfte fort. Im Mittelpunkt steht noch immer Anti-Held Anton (Konstantin Khabensky), den Diensten des Lichts unterstellt, der mit dem Überlauf des eigenen Sohnes in die Reihen des dunklen Führers Zavulon (Viktor Verzhbitsky) hadert. Der provoziert wo er nur kann, um den seit Jahrhunderten bestehenden Waffenstillstand von der Gegenseite brechen zu lassen.

Die gerade im ersten Drittel viel zu breit ausgewalzte Narration verhindert entspanntes Zurücklehnen. „Wächter des Tages“ kommt nur schleppend in Gang und lässt die Leichtfüßigkeit, nicht zuletzt das Happening des klassischen Blockbusters vermissen. Zum Teil alberne Witze sollen Spannungen lösen, doch war Bekmambetov schon im Vorgänger kein besonders origineller Humorist. Zugunsten emotionalerer Aspekte – die Liebesgeschichte zwischen Anton und Svetlana (Mariya Poroshina), der im aufziehenden Krieg eine besondere Rolle zugedacht ist – wird die Action gedrosselt, was das tempoarme, mit knapp 140 Minuten deutlich zu lang geratene Spektakel zusätzlich bremst.

Während Anton des Mordes bezichtigt von der dunklen Seite gejagt wird, begibt er sich auf die Suche nach einem Block magischer Kreide, der in der Lage ist, erlittenes Unheil rückgängig zu machen. Den Intrigen Zavulons folgt ein apokalyptischer Showdown, der das aufwändige Opus zurück an seinen Ursprung führt. Der ausgefeilte Look und manch extravagante Idee bewahren den verschärften Konflikt vor ärgerem. Dennoch bedarf dies generell sehenswerte Sequel nicht nur Sitzfleisch, sondern auch erhöhter Aufmerksamkeit. So bleibt der Stoff auch im zweiten Anlauf hinter seinen Möglichkeiten zurück. Große Hoffnungen auf Hollywoods Weiterführung sollte man der Erfahrung entsprechend dennoch nicht hegen.

Wertung: (6 / 10)

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