Von Löwen und Lämmern (USA 2007)

von-loewen-und-laemmernWenn es um politisches Engagement geht, ist Robert Redford in der Regel nicht weit entfernt. Dieser nahm mal wieder auf dem Regiestuhl Platz, um das von Joe Carnahan geschriebene Skript zu „Von Löwen und Lämmern“ zu verfilmen. Carnahan wiederum leistete zuletzt bei dem nicht minder kritischen „The Kingdom“ mehr als gute Arbeit. Als ausführendes Studio fungierte United Artists, bei dem Tom Cruise ganz oben steht und „Von Löwen und Lämmern“ der erste Film unter seinen Fittichen darstellt. Herausgekommen ist ein insgesamt packendes Polit-Drama, auch wenn man nach zu kurzen 90 Minuten den Eindruck hat, dass einiges nicht zu Ende erzählt worden sei.

Die erfahrene Journalistin Janine Roth (Meryl Streep) erhält zu ihrer Überraschung eine einstündige Privataudienz beim aufstrebenden Jung-Senator Jasper Irving (Tom Cruise). Dieser möchte Roth auf seine Seite ziehen, da die USA wieder eine bessere Presse im Kampf gegen den Terror brauchen könnten und er auf ihre Hilfe bei der Darstellung der neuen Strategie in Afghanistan hofft. Zu gleicher Stunde werden dort die beiden Mitglieder einer Spezialeinheit, Ernest (Michael Pena) und Arian (Derek Luke), in den Bergen abgeschossen und liegen schwer verletzt in Schnee. Via Satellit können deren Kommandeure das Schicksal der beiden Soldaten mit verfolgen, die von den Taliban gestellt werden. Unterdessen hat der Student Tod (Andrew Garfield) eine Unterredung mit seinem Professor Dr. Malloy (Robert Redford), der in dem Jungen einen brillianten Denker sieht, der sein Potenzial jedoch weitgehend ungenutzt lässt.

In erster Linie handelt „Von Löwen und Lämmern“ von Worten, weniger von Taten. Dass die Macher es sich mit dem Publikum nicht verscherzen wollten, zeigt ein wenig die Laufzeit des Films, denn mit knapp 90 Minuten ist Robert Redfords jüngste Regiearbeit kein ausuferndes Brandmarken der derzeitigen Lage der USA geworden. Natürlich will man zum Nachdenken anregen, allerdings auch eine breitere Schicht ansprechen. Die Dialoge sitzen, auch wenn vieles davon eigentlich in den vergangenen Jahren schon häufiger thematisiert wurde. Der Titel sagt im Grunde alles. „Von Löwen und Lämmern“. Dieser Ausspruch hat seine Herkunft aus dem Ersten Weltkrieg, als ein deutscher Offizier die britischen Soldaten für ihre Tapferkeit lobte, gleichzeitig aber die mangelnden Führungsfertigkeiten der britischen Offiziere ebenso damit auszudrücken wusste.

Die Führung ist das Problem, oder vielmehr ein wesentliches Problem, zu diesem Schluss kommt natürlich auch „Von Löwen und Lämmern“. Der Film geht auf drei verschiedenen Ebenen an das Thema heran. Zum einen hat man den jungen, ehrgeizigen Senator, auf der anderen Seite die erfahrene und grundsätzlich kritische Journalistin. Meryl Streep („Der Tod steht ihr gut“) meistert ihren Part souverän, während aber vor allem Tom Cruise („Der letzte Samurai“) zu überzeugen weiß. Allerdings weiß er, wie er den Leuten begegnen muss, weiß zu manipulieren und sich in Szene zu setzen. Genau dies spiegelt seine Rolle wider, man könnte fast meinen, er karikiert sich in gewisser Hinsicht selbst. Der Part dieser beiden ist der gelungenste des Films, da hier zum einen die Planlosigkeit der Führungsorgane, aber auch das bedingungslose Folgen der Medien in den Krieg im Vordergrund steht.

Die Dialoge sitzen vor allem hier, während Robert Redford („Der Pferdeflüsterer“) mehr von Freiheit und freiem Denken sinniert. Dies wirkt nach einer gewissen Zeit eher ermüdend denn spannend. Als drittes Szenario sieht man zwei verwundete Soldaten in Afghanistan, die um ihr Leben kämpfen. Hier geht es weniger um die Dialoge, sondern mehr darum, dass auch die neue – von Tom Cruise so gepredigte – Strategie bereits in den ersten Minuten ihres Wirkens scheitert. Unterm Strich sterben Menschen. In all seiner Kürze nimmt sich „Von Löwen und Lämmern“ alle wesentlichen Versagenspunkte der Außen- und Innenpolitik der heutigen Bush-Regierung vor. Politik, Militär, Bildung, Medien, alle bekommen ihr Fett weg. Die pointierten Dialoge sitzen, wirklich neue Fakten hat der Film allerdings auch nicht zu bieten. Vielleicht der einzige Kritikpunkt, dem er sich stellen muss.

Wertung: 7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)

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