Vollidiot (D 2007)

vollidiotIn den 90er Jahren boomte die sogenannte Popliteratur. Schriftsteller wie Benjamin von Stuckrad-Barre („Soloalbum“), Christian Kracht („Der gelbe Bleistift“) oder Sybille Berg („Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“) prägten diese Begrifflichkeit des Feuilleton und waren medial präsent. In diesem Zusammenhang wurde auch das Buch „Vollidiot“ von Tommy Jaud zum Bestseller einer neuen Generation. Nachdem vor Jahren bereits die filmische Umsetzung von „Soloalbum“ den Erwartungen nicht gerecht werden konnte, trat in diesem Jahr auch Jauds Buch den Weg in die Kinos an. Und wer könnte den Vollidioten besser verkörpern, als der ewige Idiot Oliver Pocher.

Der erfolglose Handy-Verkäufer Simon Peters (Oliver Peters) befindet sich in einer Krise. Seine Beziehung ging in die Brüche, Schulden plagen ihn und überhaupt kann er nur mit Mühe ein Bein vor das andere setzen. Auch sein Freund Flik (Oliver Fleischer) und seine beste Freundin Paula (Tanja Wenzel) können ihn nicht aus seiner Lethargie befreien. Alles scheint sich aber zum Besseren zu wenden, als er die rassige Marcia (Ellenie Salvo Gonzalez) kennenlernt, die in einer vom ihm gehassten Kaffeekette arbeitet. Marcia wird fortan als Heilsbringer einer besseren Zukunft angesehen, hat an ihrem Verehrer jedoch nicht viel Interesse.

„Soloalbum“ und „Vollidiot“, zwei erfolgreiche Bücher, zwei mehr oder minder erfolgreiche Filme, die aber ein Schicksal teilen: Die Filme kommen an die Literaturvorlagen nicht heran. Dies kommt zwar nicht überraschend, aber für Fans der Bücher ist dies doch irgendwie enttäuschend. „Soloalbum“ konnte schon nicht den Charme des Buches auf Zelluloid versprühen und auch „Vollidiot“ hat mit diesem Problem zu kämpfen. Was sich gut liest, ist teilweise nur schwer zu schauen. Der Witz des Buches verpufft hier inmitten des Pocherschen Haud-Drauf-Humors. Auf den ersten Blick mag dieser für die Rolle des erfolglosen Simon Peters wie gemacht zu sein, allerdings gibt es keine großen Unterschiede zu dem Oliver Pocher, den man aus dem TV kennt. Die Art und Weise, wie er agiert, wie er spricht und auftritt, ist identisch mit seinen Sendungen.

Schauspielerische Defizite sind zudem nicht zu übersehen. Pocher blödelt, mal nervig, mal amüsant. Richtig witzig jedoch nie, zu abgestanden wirkt das Gros der Gags. Zudem fällt es schwer, sich mit seinem Anti-Helden zu identifizieren, denn die Person Pocher steht über der von ihm dargestellten Figur des Simon Peters. Wer Pocher nicht mag, wird den Film ohnehin nie mögen können. Auch „Vollidiot“ wird der Romanvorlage nicht gerecht, was zu erwarten war. Der Film spielt sich auf einer oberflächlichen Ebene ab, bei der die zwischenmenschlichen Probleme und Sichtweisen schlichtweg zu kurz kommen. Ein paar witzige Momente reichen auf ganzer Länge leider nicht aus, so dass wohl hauptsächlich nur resolute Pocher-Fans auf ihre Kosten kommen werden.

Wertung: (5 / 10)

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