Vidocq (F 2001)

vidocqObwohl im Zuge fortschreitender technischer Vollkommenheit auch der Filmindustrie längst hinlänglich bekannt sein sollte, dass unter Miteinbeziehung von Digitalkameras eine nicht unerhebliche Senkung der Produktionskosten möglich gemacht wird, hat dieses System auf internationaler Bühne bislang kaum Anklang gefunden. Stefan Avalos und Lance Weiler waren im Jahre 1998 mit „The Last Broadcast” die ersten, die sich dieser Technik für einen Kinofilm bedienten. Ansonsten jedoch verbreitete sich das digitale Aufzeichnungsmedium eher in der Pornofilmszene. Erst 2001 griff der französische Effekte-Guru Pitof, in der Vergangenheit unter anderem verantwortlich für die visuelle Veredelung von „Die Stadt der verlorenen Kinder” und „Alien:Resurrection”, für sein Regiedebüt „Vidocq” auf jene unkomplizierte Art des festhaltens bewegter Bilder zurück.

Paris im Jahre 1830. Eine neue Revolution wirft ihre düsteren Schatten voraus, in der Weltmetropole greifen Unruhe und drohendes Chaos um sich. Ungeachtet des bevorstehenden Umbruchs geht der angesehene Detektiv Eugene Francois Vidocq (Gerard Depardieu, „Asterix und Obelix gegen Cäsar”) seinen Weg, um ein kriminelles Meisterhirn zur Strecke zu bringen. Jenes hält sein Antlitz hinter einer Spiegelmaske verborgen, während sein Körper von einem wallenden schwarzen Umhang verdeckt wird. So treibt der mysteriöse Alchemist in den Gassen von Paris sein Unwesen, bis ihm schließlich der bullige Schnüffler Vidocq auf die Schliche kommt. Doch scheint das grausame Phantom dem Gesetzeshüter überlegen zu sein, lockt der durchtriebene Killer den Kriminalisten doch in eine scheinbar tödliche Falle. Fortan unterliegt die Weiterführung der Ermittlungen Vidocqs Biographen Etienne (Guillaume Canet,„The Beach”), welcher sich sogleich in einen beklemmenden Dunstkreis aus Mitschuldigen und Mitwissern, darunter die elegante Dame Preah (Ines Sastre, „Druids”), begibt. Als sich die Puzzlestücke allmählich zu einem Bild zusammenfügen, tritt eine bizarre Geschichte um Mord und ewige Jugend ans Tageslicht. Doch scheint auch der ominöse Seelensammler selbst nicht untätig und entledigt sich der Reihe nach aller lästiger Zeugen, bis nur noch der Chronist selbst übrig scheint.

Von eigenwilligem Stilismus durchzogen, besticht „Vidocq” vor allem durch die opulente Ausstattung und die schwelgerische Optik. Von unnatürlicher Farbintensität, erlangt der Fantasy-Thriller darüber hinaus surrealen Charakter durch zahlreiche ruppige Schnitte, wie die gesamte technische Seite des Films dezent gewöhnungsbedürftig. Doch entschädigt Pitof den Zuschauer durch eine straffe Inszenierung und das sehenswerte Einbringen des französischen Superstars Gerard Depardieu. Neben dem beleibten Mimen agiert unter anderem Andre Dussollier („Die fabelhafte Welt der Amelie”). Pitof hat mit seiner fantasievollen Eigeninterpretation des realen Charakters Vidocq, einem ehemaligen Sträfling, welcher ab 1811 im Dienste des französischen Volkes auf Verbrecherjagd ging und nachträglich unzählige Autoren und Filmemacher inspirierte, einen stimmigen Thriller im Einzugsbereich von „From Hell” und „Pakt der Wölfe” geschaffen. Die Geschichte erweist sich dabei nicht immer als schlüssig und auch die spärlich gestreuten Martial-Arts-Einlagen vermögen beileibe nicht jeden Zuschauer zu überzeugen. Trotzdem erweist sich der Film letzten Endes als durchaus gelungenes Regieexperiment, welches den Betrachter bis zum Schluss in seinen Bann zieht. Hier wird sicherlich das Rad nicht neu erfunden, aber Freunde stimmungsvoller Fantasy-Thriller kommen auf ihre Kosten.

Wertung: 6.5 out of 10 stars (6,5 / 10)

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