Vernetzt – Johnny Mnemonic (USA 1995)

johnnymnemonicAus dem Katalog kinematographischer „No Go Areas“: Ob seiner mangelnden Qualität fast schon berüchtigt ist „Vernetzt – Johnny Mnemonic”, der zweite Langfilm von Videoclip-Regisseur und Konzeptkünstler Robert Longo („Arena Brains“). Der geht auf eine Kurzgeschichte von William Gibson („Neuromancer“) zurück, der seine Schöpfung gleich selbst auf Drehbuchumfang walzte. Doch egal wie flach sich der teils saublöde Cyberpunk-Thriller inhaltlich auch geben mag, gegen die völlig verhunzte Inszenierung sind Dialoge und Charakterzeichnung pures Gold.

Datenkurier Johnny (Keanu Reeves, „Matrix“) will sein Gedächtnis zurück. Über das Chipimplantat im Kopf transportiert er Informationen. Dabei ging so einiges an Erlebtem verloren. Für die kostspielige Wiederherstellung seiner Erinnerungen muss er eine gewaltige Datenmenge aufnehmen – weit mehr als sein begrenzter Speicher fassen kann. Die Zeit drängt, denn irgendwann wird sein Gehirn nachgeben und ihm – wie den meisten Beteiligten dieses filmischen Abfallprodukts – den Dienst versagen. Da passt prächtig ins Bild, dass zwielichtige Subjekte zur Jagd auf ihn und seine brisante Fracht blasen.

Angelegt als großspuriges Bombast-Kino blieb schlussendlich nur ein archetypisches B-Movie übrig. Das allein ist der 26 Millionen Dollar-Produktion kaum zum Vorwurf zu machen. Schließlich tummeln sich in der Besetzungsliste bewährte Anti-Mimen wie Dolph Lundren („Universal Soldier“) und Ice-T („Surviving the Game“), dazu die verdienten Kleinkunstapparaturen Takeshi Kitano („Violent Cop“) und Udo Kier („Andy Warhols Dracula“). Die meisten von ihnen schlafwandeln lustlos durch die Alibihandlung, was Hauptakteur Reeves jedoch mit schier unglaublicher Ausdruckslosigkeit überstrahlt.

Zusammen mit Kampfamazone Jane (schwach: Dina Meyer, „Starship Troopers“) kommt Johnny hinter die Machenschaften eines mächtigen Pharma-Konzerns, der die Daten in seinem Kopf um jeden Preis an sich bringen will. Denn mit ihnen ließe sich ein Heilmittel für eine weit verbreitete Nervenkrankheit finden. Doch das Unternehmen unter Takahashi (unterfordert: Kitano) bereichert sich an der Ausbreitung der Seuche. Mit Hilfe der Untergrundbewegung von J-Bone (Ice-T) sagt Johnny seinen Widersachern, verfolgt vom religionsgeleiteten Auftragskiller Street Preacher (grotesk: Lundgren) den Kampf an.

In seinen Dialogen unsäglich, in seinen Handlungen krude. Das leb- wie lieblos verklebte Einerlei verschiedener Science-Fiction- und Action-Klischees ist von den lächerlichen Computertricks bis zur ganzheitlichen Arbeitsverweigerung des Casts ein Rohrkrepierer oberster Kanone. Ohne Atmosphäre, ohne Ideen bleibt nur ein endloser Schlund sich überlagernder Peinlichkeiten. Und Keanu Reeves, der vor dem „Matrix“-Erfolg in der endzeitlichen Einöde steht und „I want Roomservice“ schreit. So schlecht, das es nicht mal mehr lustig ist.

Wertung: (3 / 10)

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