Verblendung – The Girl with the Dragon Tattoo (USA/S/N 2011)

verblendungfincher„Rape, torture, fire, animals, religion. Am I missing anything? “ – Blickt tief in die Abgründe der menschlichen Seele: Mikael Blomkvist

Stieg Larssons „Millennium“-Trilogie sorgte weltweit für Furore. Rund um den Globus wurden etwa 15 Millionen Bücher verkauft und auch die in schwedisch-norwegisch-dänisch-deutscher Koproduktion ursprünglich fürs TV konzipierten und in gestraffter Form ins Kino gebrachten Verfilmungen feierten große Erfolge. Dass auch Hollywood am Rummel um Larssons Romane Anteil nehmen würde, schien so klar wie das Amen in der Kirche. Schließlich sind eigens produzierte US-Adaptionen eher die Regel als die Ausnahme. Das mag zwar streitbar erscheinen, entspricht jedoch dem kommerziellen Selbstverständnis der amerikanischen Traumfabrik.

Zudem ist die neuerliche Verfilmung von „Verblendung“ kein klassisches Remake, sondern eine individuelle Umsetzung des Romans. Dass für die neben der europäischen Version durchaus Platz ist, garantiert bereits die Mitwirkung klangvoller Namen: Oscar-Preisträger Steven Zaillian („Schindlers Liste“) schrieb Larssons Vorlage in ein Drehbuch um, das David Fincher, der den modernen Thriller mit „Sieben“ maßgeblich geprägt hatte, Mithilfe des bewährten Kameramannes Jeff Cronenweth („Fight Club“) gewohnt bildgewaltig umsetzte. Als schauspielerisches Zugpferd fungiert der aktuelle „Bond“-Darsteller Daniel Craig.

Er schlüpft in die Rolle des schwedischen Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist. Nachdem dieser wegen Verleumdung eines kriminellen Unternehmers zu einer hohen Geldstrafe verurteilt wurde, verkündet er seinen Ausstieg beim autonomen Politmagazin Millennium. Herausgeberin Erika Berger (Robin Wright, „Moneyball“), zugleich Mikaels Geliebte, muss ihn widerwillig ziehen lassen. Um sich aus der medialen Schusslinie zu befördern, erklärt er sich bereit in der Provinz für den alternden Industriellen Henrik Vanger (Christopher Plummer, „Beginners“) einen vermeintlichen Mörder in dessen Familienkreis zu überführen. Nur liegt das Verbrechen bereits Jahrzehnte zurück.

1966 verschwand Vangers Nichte Harriet spurlos von der Insel der Unternehmerfamilie. Weil ein Unfall die einzige Brücke versperrte, muss der Täter ein Verwandter sein. Aber eine Leiche wurde nie gefunden. Tatsächlich stößt Mikael bald auf eine ganze Mordserie und findet in der eigenwilligen Hackerin Lisbeth Salander (Oscar-nominiert: Rooney Mara, „The Social Network“), die von ihrem Vormund Bjurman (Yorick van Wageningen, „The New World“) brutal vergewaltigt wird, eine so non-konforme wie effiziente Helferin. Doch je näher sie der schrecklichen Wahrheit kommen, desto mehr geraten auch sie ins Visier des Schuldigen.

Finchers Variante ist anders arrangiert als die europäische Adaption und mit einer eigenen dramaturgischen Gewichtung versehen. Von wenigen individuellen Impulsen abgesehen halten sich die Macher aber nahezu sklavisch an die Vorlage. Die erzählerische Dynamik wird immer wieder verschleppt, um tief in die Vergangenheit der Familie Vanger (darunter auch Stellan Skarsgard, „Melancholia“) zu blicken. Auch strebt die Beziehung zwischen Lisbeth und Mikael stärker in den Vordergrund, was den Film psychologisch weniger tief erscheinen lässt. Spannend, vielschichtig und obendrein klasse gespielt ist „Verblendung“ aber auch in der amerikanischen Interpretation. Etwas unglücklich wirkt da nur der aufgesetzte schwedische Akzent der Darsteller im englischen Original.

Wertung: (7 / 10)

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