Vengeance (F/HK 2009)

vengeancetoEin Franzose reist nach China. Angetrieben von Rache. Die Tochter liegt im Krankenhaus, ihren Schussverletzungen wie durch ein Wunder nicht erlegen. Der Schwiegersohn und die beiden Enkel aber sind tot, von einem Killerkommando kaltblütig hingerichtet. Zwar ist der nach Vergeltung strebende Costello (Musiker Johnny Hallyday, „Crime Spree“) Koch, seine Vergangenheit aber weist ihn bald im versierten Umgang mit Schusswaffen aus. Was fehlt ist das Knowhow der örtlichen Gegebenheiten. Zu diesem Zweck heuert er einheimische Mietmörder an.

Denen begegnet er im Hotel, unmittelbar nachdem sie das untreue Liebchen von Gangsterboss George Fung (famoser Nebenpart für Simon Yam, „Election“) nebst Lover abserviert haben. Für Geld, Schmuck und Costellos Pariser Immobilien erklären sich Kwai (Anthony Wong, „Exiled“), Chu (Lam Ka Tung, „Sparrow“) und Fat Lok (Suet Lam, „PTU“) bereit dem Fremden zu helfen. Ihm, der die sonderbare Angewohnheit hat Fotografien mit Notizen zu versehen. Dies Rätsel löst Regisseur Johnnie To („Mad Detective“) später auf, wenn die ungleichen Männer ihre Loyalität bekundet haben und Freunde geworden sind.

Mit „Vengeance“ eifert To einmal mehr der Nouvelle Vague nach und vereint die vielschichtige Eleganz französischer Thriller mit der ästhetischen Virtuosität des Hong-Kong-Actionkinos. In einem kühl durchgestylten und grandios fotografierten Bilderbogen folgt der Regisseur, der wieder ein Drehbuch Wai Ka-Fais („Running on Karma“) umsetzte, der Spurensuche. Die führt bald zu Fung, der das Attentat auf die Familie von Costellos Tochter befahl. Das verschrobene Killer-Trio aber hält dem Franzosen die Treue – und besiegelt damit sein Schicksal.

Das Salz in der Suppe aber ist der Koch selbst, der sich dereinst ebenfalls als Killer verdingte und dem eine Kugel im Kopf das Gedächtnis zerstört. Viel Zeit bleibt ihm nicht und so stürzt er sich ungeachtet fortschreitender Orientierungslosigkeit mit Eselsbrücken ins furiose Finale. Tos europäischster Film ist trotz der altbackenen Geschichte einer seiner besten. Ein lakonisches, blutiges und auch überspitztes Zeugnis einer ungewöhnlichen Freundschaft. Die furios bebilderte Action bleibt dosiert, mit atmosphärischer Ruhe gewährt der Regisseur seinen Figuren Raum zur Entfaltung. Die Schauspieler danken es ihm mit sehenswertem Einsatz. Ein schlicht umwerfendes Werk.

Wertung: (8 / 10)

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