Venerea – Both Ends Burning (1997, Gift of Life)

venerea-both-ends-burningDer schwedische Punk der mittleren Neunziger fiel in Deutschland auf fruchtbaren Boden. Man könnte es daher als konsequent bezeichnen, dass VENEREA ihren ’97er-Albumerstling „Both Ends Burning“ über das Mülheimer Label Gift of Life herausbrachten. Nach drei bei Brööl veröffentlichten EPs – der Klassiker „Shake Your Booty“ zählt noch immer zum Besten, was der nordische Skate-Punk zu bieten hat – machte das Trio endlich Masse. Satte 15 Songs schafften es auf die Platte, die in rund 36 Minuten ein amtliches Feuerwerk zwischen standesgemäßen Breaks, Singalongs und beständigem Vorwärtsdrang abbrennt.

Es ist sicher nicht der stärkste Langspieler jener Ära und auch nicht das beste Stück Musik, das VENEREA im Laufe ihres mittlerweile 25-jährigen Bestehens vorgelegt haben. Doch die Scheibe ist kurzweilig und hat immergrüne Hits wie „Late Show“, „In God We Thrust“, das überschaubar kurze „I Wanna Live in Outer Space“ oder „Mysterious Mike“, eine Ode an einen verrückten Fan, im Gepäck. Allerdings liegt die Besonderheit im starken Gitarrenspiel, das die Verbundenheit zum Metal mehr denn je verdeutlicht. Manche Passagen (u.a. bei „Nothing is Planned“ oder „Asleep At the Wheel“) wirken gar wie die strukturelle Übersetzung des Hartmetalls in die Sprache des Punk-Rocks.

Dass nicht jede Nummer gleichermaßen zündet, verzeiht man gern. „Beanstalk“, eine Anlehnung an die Mär von Hans und der Bohnenstange, wirkt gesanglich holprig, das Cover von Tom Pettys „American Girl“ eher belanglos. Im Schlussdrittel kommt durch „Simple Plan“ und „Dirty Little Old Brown Jersey Cow“ das Gefühl auf, VENEREA hätten ihr Pulver verschossen. Mit „Scratch“, dem politischen Einminüter „Static Lice“ und dem stimmungsvollen Finale „The Flame“ schöpfen die Schweden aber noch einmal spielfreudig aus dem Vollen und bringen das Album weit über Durchschnitt über die Ziellinie. Missen möchte man eine Platte wie „Both Ends Burning“ damit jedenfalls nicht.

Wertung: (7 / 10)

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