Van Helsing (USA 2004)

vanhelsingDass die angestaubten Kinomonstrositäten der Vergangenheit auch in der Ära von CGI und Megapixeln noch immer ihren höchsteigenen Charme versprühen, bewies Regisseur und Skriptschreiber Stephen Sommers bereits mit seiner gleich zweifach zelebrierten Reinkarnation von „Die Mumie”. Der bandagierte Unhold bescherte den Universal-Studios eine wahrhaft eindrucksvolle kommerzielle Ausbeute von mehr als 850 Millionen US-Dollar. Warum also eine solch lukrative Geschäftsidee verstauben lassen, finden sich im Repertoire von Universal doch immerhin noch solch possierliche wie kinohistorisch bedeutsame Gesellen des Standes Graf Dracula, Frankensteins Monster und der Wolfsmensch, allesamt kassenträchtige Aushängeschilder der Filmschmiede aus den 30er- und 40er-Jahren. Was liegt also näher – vor allem, da die Rechte an den publikumswirksamen Erfolgsbegründern Universals nie veräußert wurden -, als Autor und Regisseur Stephen Sommers auch die Direktion über das verbleibende Gruselkabinett zu übertragen und zum ultimativen Gipfeltreffen der finstren Mächte zu blasen.

Als Leitwolf im Dienste der Gerechtigkeit steht der Dämonenschar dabei der legendäre Monsterjäger Gabriel Van Helsing (Hugh Jackman, „X-Men”) gegenüber, der im Auftrag eines vatikanischen Geheimordens in die zerklüfteten Karpatenregionen Transsylvaniens entsandt wird, um dem furchterregenden Grafen Dracula (Richard Roxburgh, „Moulin Rouge”) und dessen ketzerischer Schar untergebener Höllenkreaturen den Garaus zu machen. Neben seinem treuen Gehilfen, dem erfindungsreichen Ordensbruder Carl (David Wenham, „Der Herr der Ringe”), erhält der gewandte Vollstrecker des Klerus ortskundige Unterstützung durch Prinzessin Anna Valerious (Kate Beckinsale, „Underworld”), letzte Hinterbliebende eines uralten Geschlechts, welches sich der Vernichtung des Grafen Dracula und seiner Gefolgschaft verschrieben hat. Aber die Zeit drängt, unternimmt der forschungsdürstende Vampir doch wissenschaftliche Experimente, um seiner Spezies die endgültige Oberhand an der Futterkrippe des Lebens zu garantieren. Einzig das existenzielle Geheimnis einer Kreatur scheint der untote Blutsauger noch zu benötigen, um seine sinistren Ziele grausame Realität werden zu lassen: Frankensteins Monster (Shuler Hensley)!

Was im Vorfeld den Eindruck einer ausgeklügelten und liebevollen Vereinigung klassischer Gruselcharaktere aufkeimen ließ, erweist sich angesichts des beinahe gänzlich unbefriedigenden Resultates lediglich als effektgeladenes Leinwandschauspiel mit krampfiger Entwicklung der vielversprechenden Grundkonstellation und maßlos affektiertem Overacting. In steter Folge wird geschrieen, gekämpft und gekeift, obgleich es Stephen Sommers in keiner Phase seiner lieblosen Genrekreuzung gelingt, den glasigen Figuren auch nur ein Fünkchen Leben einzuhauchen. Hauptdarsteller Hugh Jackman erscheint als krude Mischung aus Vampire Hunter D und Thomas Anders über weite Strecken des Films schlicht unterfordert, während sein australischer Landsmann, der Theatermime Richard Roxburgh, in der Position des schurkischen Höllendieners Dracula arg fehlbesetzt und charakterlich widersprüchlich anmutet. Kate Beckinsale reduziert darstellerisches Vermögen einmal mehr auf ihr adrettes Äußeres und überlässt, wie auch der Rest des schauspielerischen Kollektivs, kampflos Glanz und Glorie der sehenswerten Masse computergezimmerter Effekte.

Dass eine Vielzahl selbiger längst nicht genügt, um Substanzlosigkeit und permanent hervorstechende Ideenarmut wegzuretuschieren, beweist Sommers entgegen der Kurzweil seiner früheren Unterhaltungsexkursionen in überdeutlichen Proportionen und lässt sein holpriges Vehikel obendrein in akute Transparenz münden. Die erzwungene Coolness seines schwachen Heldengeflechtes, das von James Bond über Indiana Jones bis hin zu Batman jegliche heroische Stereotypen bedient und dankbar ausreizt, wird durchgängig über die tragische Tiefe der bedeutsamen Schreckensfiguren gestellt, was den ihnen anhaftenden Charme fatalerweise restlos ausradiert. Statt dessen regieren hölzerne Dialoge und zu Hauf aufgeworfene Fragen das turbulente Erscheinungsbild.

Zudem nimmt sich „Van Helsing” im tosenden Sturm der Geschehnisse trotz Selbstironie oftmals zu ernst und scheint aus eben iesem Grunde nicht einmal als überspitzte Persiflage brauchbar. So strömen Monstrositäten jeglichen Kalibers aus zahllosen Plotlöchern, während die Werwölfe auf der Leinwand mit den Zuschauern in den Kinosesseln um die Wette heulen. Bestenfalls für den Heimkinobedarf adäquat, flacht das naive Gruselabenteuer nach stilsicherem Auftakt in schwarz-weißem Anstrich stetig ab und verfängt sich in humoristischen Querschlägern und actionreicher Langatmigkeit. Aufwendig produziert und prunkvoll ausgestattet, bietet die routinierte Inszenierung massenweise übersinnliche, jedoch keinerlei visionären Elemente. In Anbetracht der bereits im Vorfeld eingeplanten Fortsetzung wäre es wohl klüger, die Resonanzen des Publikums abzuwarten. Schließlich lassen sich Erfolgsfilme nur in den seltensten Fällen am Reißbrett konzipieren.

Wertung: (4 / 10)

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