Up In the Air (USA 2009)

up-in-the-airDem kanadischen Filmemacher Jason Reitman (Sprössling von „Ghostbuster“ Ivan Reitman) ist mit Anfang 30 bereits das gelungen, wonach andere Menschen seiner Zunft ihr ganzes Leben lang streben. Nämlich von Kritikern und Publikum gleichermaßen beachtet und vor allem geliebt zu werden. Zwar sind es bislang lediglich drei Filme im Rhythmus von zwei Jahren geworden, aber mit allen konnte Reitman überzeugen. Mit der Satire „Thank You for Smoking“ zuerst und dann noch mehr mit dem großartigen „Juno“. Dieses „noch mehr“ lässt sich nun auch auf seinen letzten Film „Up In the Air“ beziehen. Denn abermals gelingt ihm der Spagat zwischen Anspruch und Humor mit spielerischer Leichtigkeit.

Eigentlich braucht Ryan Bingham (George Clooney) seine Wohnung nicht. Wobei der Begriff Wohnung übertrieben scheint. Denn vielmehr lebt der smarte Mittvierziger in den knappen 40 Tagen, die er pro Jahr „zu Hause“ ist in einem kärglichen Ein-Zimmer-Appartement. Ansonsten ist er ausschließlich für seinen Arbeitgeber unterwegs und setzt Mitarbeiter von Firmen auf die Straße, die ihm diese Aufgabe überlassen. Ryan hat damit überhaupt keine Probleme. Es ist ein Job, den jemand machen muss. Und was er tut, ist richtig. Und gut. Für ihn bedeutet vollkommenes Glück, an mehr als 300 Tagen im Flieger zu sitzen, das Leben auf Flughäfen oder in Hotelbars zu verbringen und am Ende die magische Grenze von 10 Millionen Bonusmeilen zu erreichen. Familie und Freunde existieren für ihn nicht.. Nur sporadisch lässt er sich auf Beziehungen ein. Wie mit der ebenfalls zeitlich eingeschränkten Geschäftsfrau Alex (Vera Farmiga).

Sein ach so glückliches Leben gerät jedoch aus den Fugen, als die frische Uni-Absolventin Natalie (Anna Kendrick) das bestehende System seines Arbeitgebers überarbeitet und fortan nur noch via Videokonferenzen gearbeitet werden soll. Ein Affront für Bingham, der der jungen Dame binnen einer Woche die Wichtigkeit seines Jobs vor Ort erklären will. Die Besonderheit von „Up In the Air“ liegt in seiner Vielfalt. Der Film geht als Satire genauso durch wie als Tragikkomödie oder sogar kritische Auseinandersetzung mit dem globalen Wirtschaftssystem, was durch die aktuelle Krise ohnehin verstärkt wird. Derart vielschichtige Kost gab es von Jason Reitman bislang nicht zu sehen. Aber wie gesagt, die Leichtigkeit, mit der er sein Drehbuch auf die Leinwand bannt, verdient höchsten Respekt.

George Clooney („Ocean’s Eleven“) geht in der Rolle des teils arroganten, manchmal gar zynisch wirkenden Workaholics wieder einmal komplett auf, für den es seiner Meinung nach kein besseres Leben geben kann. In den zahlreichen, spitz geführten Dialogen – gerade mit der jungen Anna Kendrick („Twilight“) – unterstreicht er dies, doch im Laufe des Films sucht auch er mehr und mehr gesellschaftliches und familiäres Leben. Kendrick gilt als Gegenpol zu Clooney, für die Karriere wichtig ist, noch mehr aber ein geregeltes Familienleben, was aber auch ihr erst einmal nicht gegönnt sein soll. In der Theorie meistert sie ihre Aufgaben, die Praxis jedoch nimmt sie umso mehr mit. Vor allem hier kann man als Zuschauer schon mal einen Kloß im Hals sitzen haben, wenn Menschen von jetzt auf gleich um ihren Job gebracht werden.

Hier, u.a. unterstützt von J.K. Simmons („Juno“) und Zach Galifianakis („Hangover“), zeigt Reitman die heutige Perversion und Skrupellosigkeit im Umgang mit Mitarbeitern. Gründe braucht der Film nicht, vielmehr ist es der Hinweis samt Broschüre, von nun an ergäben sich komplett neue Möglichkeiten für den Leidtragenden. Die dritte im Bunde ist Vera Farmiga („Nichts als die Wahrheit“) als offensichtlich weibliches Abziehbild Clooneys. Allerdings ist es gerade ihre Figur, mit der Reitman dem Film gen Ende seinen starken, weil vor allem nicht kitschigen Ausklang beschert. Ein großartiges Drehbuch, wunderbar agierende Darsteller und eine melancholische bis humorvolle Atmosphäre bilden den Kern dieses kleinen, aber umso größer wirkenden Films. Ganz großes Kino!

Wertung: (9 / 10)

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