Untraceable (USA 2008)

untraceableDas Internet ist im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlos. Informationen sind zu jeder Zeit an jedem Ort der Erde einsehbar. Das Geschäft mit der Tabulosigkeit ist aufgrund der unüberschaubaren Masse potentieller Rezipienten ein einträgliches. Mit der Anonymität steigt der Reiz des amoralischen. Der Konsum des Überangebots an Sex und Gewalt in der virtuellen Welt bleibt auf die heimischen vier Wände beschränkt. Verbrechen ohne Opfer also? Weit gefehlt, wie der grundsolide Thriller „Untraceable“ zeigt, in dem die gewohnt spielstarke Diane Lane („Untreu“) einem perfiden Cyberspace-Killer nachstellt.

Als FBI-Agentin Jennifer Marsh spürt sie Verbrecher in den Weiten des Internet auf. In ihrer Heimatstadt Portland im sonst so verschlafen wirkenden Oregon bekommt sie es mit einem Mörder zu tun, der das Martyrium seiner Opfer live über eine eigene Website zur Schau stellt. Die Öffentlichkeit fungiert als Mittäter, denn je mehr Besucher besagte Seite ansteuern, desto schneller sterben die Entführten. Während Marsh mit Partner Dowd (Colin Hanks, „King Kong“) und Detective Box (Billy Burke, „Im Netz der Spinne“) eine Verbindung zwischen den Toten herstellt, gerät sie selbst ins Visier des Täters.

Unter der routinierten Regie von Gregory Hoblit („Zwielicht“) entspinnt sich ein perfides Katz- und Maus-Spiel, das durch gute Darsteller und den moderaten Spannungsbogen bei der Stange hält. Da es den Machern mehr um die Aufspürung des Killers als dessen Identifizierung geht, wird sein Gesicht schon früh offenbart. Das schlussendliche Motiv wirkt an den Haaren herbeigezogen, doch ist dieser inhaltliche Lapsus längst nicht der einzige in dem streng vorgezeichneten Reißbrett-Krimi. Und der kann das Fahrwasser der Erfolgsserie „CSI“ kaum verleugnen.

Bei aller Kalkulierbarkeit der Geschichte und ihrer Fülle an vermeidbaren Klischees bleiben die Schwächen so verzeihlich wie absehbar. Bei Thrillern dieser Bauart geht es längst nicht mehr um Originalität, sondern einzig den Grad der Unterhaltungsfähigkeit. Dahingehend ist Hoblit kaum ein Vorwurf zu machen. Die Bilder sind gewollt düster, bei der Beobachtung der Morde bisweilen gar überraschend drastisch. Im Gegensatz zum tendenziellen Voyeurismus, den der gegenwärtige Horror von „Saw“ bis „Hostel“ schürt, hält sich „Untraceable“ sichtlich bedeckt. Es bleibt bei wohliger Genre-Routine. Nicht eben bahnbrechend, dafür ansprechend gemacht.

Wertung: (6 / 10)

scroll to top