Unter Wölfen (D 2006)

unter-woelfen-2006Das Kammerspiel mal anders: In „Unter Wölfen“ ist der begrenzte Spielraum ein tschechisches Waldstück, in dem sich eine Gruppe deutscher Ausflügler dem Titel entsprechend in die Gesellschaft wilder Tiere begibt. Der Film ist die Diplomarbeit von René Sydow und Daniel Hedfeld, die mit kleinem Budget und großer Ambition die Abgründe kollektiver Schuldzuweisung beleuchten. Denn die Bestie trägt auch hier Menschengestalt.

Mit seiner Freundin Iris (Kathrin Hildebrandt, „Die Samsas“) schließt sich Sebastian (Sebastian Sommerfeld) der Jagdgemeinschaft seines Chefs (Jochen Kolenda, „Fußball ist unser Leben“) an. Der hat zur Tiertötung in sein Waldhaus geladen. Als er selbst erschossen am Boden liegt, löst sich die Menschlichkeit in zehrenden Mutmaßungen allmählich auf. Mit dem Erscheinen eines einheimischen Försters (Christian Miedreich) eskaliert die Situation.

So reizvoll der Ansatz, so konstruiert die dramaturgische Entwicklung. Dem Tod des Gastgebers folgt die Phase der Verleugnung. Niemand will es gewesen sein. Nur Sebastian glaubt an die eigene Schuld und der Theorie vom Jagdunfall. Um ihn zu schützen, plant Iris die Fährtenlegung in Richtung eines anderen Verdächtigen. Das Opfer rückt in den Hintergrund, Egoismus beherrscht die Szenerie. In dieser Phase besitzt „Unter Wölfen“ Kraft. Die Schauspieler gehen mit Enthusiasmus an die Zerfleischung ihrer Mitmenschen, die Inszenierung sorgt mit bedrohlicher Musikuntermalung für die erforderliche Spannung.

Mit Auftreten des Wildhüters ist es mit der bedrohlichen Atmosphäre bald vorbei. Mit dessen Geiselnahme öffnet sich die Geschichte der Unglaubwürdigkeit. Der Fremde wird geschlagen, mehrfach angeschossen und in den Keller gesperrt. Schließlich hat er den Leichnam entdeckt, an dessen Tod niemand Schuld tragen will. Unbelastet ist keiner der Beteiligten, doch rechtfertigt das keineswegs das ungeschickte wie übertrieben blutrünstige Finale, an dessen Ende eine in ihrer schwarzironischen Rückschau geradezu vorhersehbare Auflösung erscheint. Ein beachtliches Debüt, das trotzdem deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt.

Wertung: (5 / 10)

 

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