Unter Kontrolle (USA/CAN/D 2007)

unter-kontrolle-2007Wer mit David Lynch wirbt, der begibt sich schnell auf dünnes Eis. Denn der Meister des surrealen Films ist einzigartig, was sich wohl spätestens jetzt auch seine Tochter Jennifer eingestehen muss. Diese war vor 15 Jahren für „Boxing Helena“ verantwortlich, der von den Kritiken – völlig zu Recht – komplett in Grund und Boden gestampft wurde. Nun wagte sie sich abermals auf den Regiestuhl, ihr Vater war zumindest als Produzent im Hintergrund tätig. Inwieweit dies dem Film geholfen hat, bleibt diskutabel, denn hier steckt unterm Strich einfach weniger Lynch drin, als es den Anschein hat.

Irgendwo im Nirgendwo treffen die beiden FBI-Agenten Anderson (Julia Ormond) und Hallaway (Bill Pullman) in einer kleinen Polizeistation ein. Hintergrund sind mehrere ungeklärte Morde eines möglichen Serientäters. Sie sollen mehrere Personen verhören, die Überlebenden eines Massakers. Darunter befindet sich auch der Polizist Jack (Kent Harper), dessen Partner unter den Opfern ist. Weiterhin wird die abgehalfterte Bobbie (Pell James) und das kleine Mädchen Stephanie (Ryan Simpkins) verhört. Die örtlichen Polizisten um deren Chef Billings (Michael Ironside) sind von den FBI-lern nicht sonderlich angetan, müssen sich diesen aber dennoch unterordnen. Je länger die Verhöre dauern, umso näher kommen die beiden Agenten dem oder den Mörder(n).

Das Fiasko von „Boxing Helena“ scheint verdaut, denn mit „Unter Kontrolle“ meldet sich Jennifer Lynch zurück. Vom Ergebnis durfte man erst einmal nichts erwarten, was wohl auch besser ist, denn mehr als ein durchschnittlicher Thriller wurde hier nicht geschaffen. Frau Lynch scheitert einfach an den eigenen Ansprüchen und vielleicht auch an mangelndem Talent, wie es schon vor 15 Jahren der Fall war. Dabei fängt alles so vielversprechend an. Nach dem Eintreffen der beiden Agenten in der hiesigen Polizeistation füttert die Filmemacherin ihr Publikum anfangs nur spärlich mit neuen Informationen. Die Verhöre überschneiden sich, in denen die Geschehnisse aus verschiedenen Blickwinkeln rückwirkend erzählt werden. Die Spannungen unter den Gruppen selbst tragen ebenfalls zur knisternden Spannung bei.

Dann aber zieht die Regisseurin das Geschehen unnötig in die Länge. Nebenschauplätze werden aufgemacht, die mit der eigentlichen Sache rein gar nichts am Hut haben. Dass zwei Polizisten sich die Langeweile mit Bier und dem Terror unschuldiger Autofahrer vertreiben, mag schrecklich erscheinen, bringt den Film aber einfach nicht weiter. Ebenso verlieren die Verhöre – je länger sie dauern – mehr und mehr ihre Wirkung. Denn die Geschichte ist im Grunde immer gleich, die Ermittler – und die Zuschauer auch – müssen die Wahrheit aus mehreren Sichtweisen gar nicht filtern. Man bekommt es vielmehr vorgekaut, man muss nur etwas Geduld haben. Bis dahin ist man hinter die eigentliche Pointe des Films zudem aber schon längst gekommen, was das große Finale ebenfalls merklich abschwächt.

Trotz prominenter Besetzung kann „Unter Kontrolle“ aber auch hier nicht sonderlich punkten. Vor allem Bill Pullman („Während du schliefst“) wirkt in seinem Spiel allzu überzogen, nachhaltig machen sich nur seinen tiefen Furchen im Gesicht und der aufgedunsene Körper bemerkbar. Michael Ironside („Total Recall“) wirkt verschenkt, während allenfalls Julia Ormond („Der Erste Ritter“) noch Akzente setzen kann. Allen positiven Ansätzen zum Trotz sinkt die Spannungskurve mit zunehmender Dauer des Films. Die Figuren wirken stellenweise arg unglaubwürdig, was vor allem auf das kleine Mädchen zutrifft, oder aber zu überzeichnet. Sicherlich eine Steigerung gegenüber ihrem Erstling, aber hier wäre durchaus mehr möglich gewesen. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm? In diesem Falle eher weniger.

Wertung: (5 / 10)

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