Unnatural – Maneater (USA 2015)

„What are we without our wildlife?“ – Fehlgeleitet idealistisch: Hannah

Schiebt man das häufig aufkommende Trash-Potenzial und das weitgehend überschaubare qualitative Niveau beiseite, erlaubt der Tier-Horror einen Blick auf die gesellschaftlichen Ängste der jeweiligen Produktionszeit. In den Neunzehnfünfzigern war es die atomare Bedrohung, die etwa die Ameisen in „Formicula“ (1954) zu Riesenwuchs trieb. Die 70er brachten im Angesicht zunehmender Umweltzerstörung das ökologische Gewissen zum Vorschein, dem u.a. in „Frogs“ (1972) oder „Die Prophezeiung“ (1979) Tribut gezollt wurde. Das treibende Thema der Gegenwart ist der Klimawandel. In zeitgenössischen Genre-Produktionen um die rebellierende Fauna erhält er entsprechend zunehmende Bedeutung.

Ein Beispiel dafür ist „Unnatural“, alternativ „Maneater“ betitelt, der bereits im einleitenden Werbevideo auf die mit der globalen Erwärmung einhergehenden Herausforderungen verweist. Der bewährte Ray Wise („Big Ass Spider!“) propagiert als Konzernchef Victor Clobirch das Vorhaben, die Rettung bedrohter Spezies durch genetische Modifikation zu gewährleisten. Als wenn das im Film jemals gutgegangen wäre. Es folgt der Umschnitt nach Alaska, wo sich der arrogante Fotograf Brooking (Produzent und Drehbuchautor Ron Carlson, „Life Blood“) im tiefen Winter mit Assistentin und zwei Models in der geräumigen Urlaubshütte des kernigen Naturburschen Martin Nakos (James Remar, „Django Unchained“) einmietet.

Der bewirtet mit den einheimischen Helfern Lily (Q’orianka Kilcher, „The New World“) und Nate (Gregory Cruz, „Saving Grace“) Touristen und verfügt über ausreichenden Respekt vor der Natur, um den von Regisseur und Cutter Hank Braxtan („Chemical Peel“) gefertigten Streifen auf identifikatorische Füße zu stellen. Die Bedrohung im abgeschiedenen Idyll lässt jedoch nicht lange auf sich warten. Gestalt erhält sie durch einen Eisbär, an dem Wissenschaftlerin Hannah Lindval (spielte neben Wise im TV-Klassiker „Twin Peaks“: Sherilyn Fenn) in einer unweit gelegenen Forschungsstation optimierende Maßnahmen vorgenommen hat. Mit dem Ergebnis, dass das eigentlich am Nordpol heimische Tier einen deutlichen Aggressivitätsschub erfahren und es nach dem unvermeidlichen Ausbruch auf Martin und seine Gäste abgesehen hat.

Die überraschend prominente Besetzung, zu der auch „Der mit dem Wolf tanzt“-Häuptling Graham Greene zählt, sowie stimmige Schockbilder garantieren solide Unterhaltung. Um Originalitätspreise buhlt der überzeugend gestaltete Standard-Horror zu keiner Zeit, sammelt durch die handgemachten Creature-Effekte der Oscar-Preisträger Alec Gillis und Tom Woodruff, Jr. („Der Tod steht ihr gut“) aber zumindest auf handwerklicher Ebene Pluspunkte. Schauspiel-Veteran James Remar macht eine gute Figur, darf nach einem Prankenhieb in der Wildnis in den Survival-Modus schalten und zum Showdown mit einem ans Schneemobil geflanschten Eisbohrer absurde Chancengleichheit herstellen. Die Welt lässt sich mit solch einem Filmwerk nicht retten, dafür aber ansehnlich die Zeit vertreiben. Im Tier-Horror ist das ein mehr als ordentliches Fazit.

Wertung: (5 / 10)

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