Underworld: Awakening (USA 2012)

underworld-awakeningDer Erfolg des (verhältnismäßig) günstig produzierten Fantasy-Actioners „Underworld“ machte eine Fortsetzung praktisch unumgänglich. Aber Regisseur Len Wiseman hatte die Geschichte ohnehin über mehrere Kapitel angelegt. Die erste Fortsetzung („Underworld: Evolution“) drehte er noch selbst, beim darauf folgenden Prequel („Aufstand der Lykaner“) begnügte er sich bereits mit der Verantwortung als Story-Konzeptionist und Produzent. Auch beim nunmehr vierten Part „Awakening“ überließ er die Umsetzung anderen, nämlich dem schwedischen Duo Måns Mårlind und Björn Stein („Storm“). Im Gegenzug schrieb er aktiv am Drehbuch mit. Das Ergebnis ist bescheidene Mittelpracht.

Die Regisseure präsentieren eine visuell wiederum ansprechend düster gestaltete Erweiterung der Saga und bringen mit Wisemans Gattin Kate Beckinsale („Van Helsing“) sogar das in enge Latexhosen gekleidete Aushängeschild der ersten beiden Teile zurück. Nach einem vielversprechend rasanten Start geht diesem zweiten Sequel trotz einer Fülle routiniert abgehandelter Actionszenen aber doch recht bald die Puste aus. Die Geschichte um den rabiaten Rückschlag der Menschen gegen Vampire und Werwölfe (Lykaner) hätte schlicht mehr hergegeben als die von Mårlind und Stein so banal abgehandelte wie dramaturgisch aufgeplusterte Aufdeckung einer wissenschaftlichen Verschwörung.

Der Beginn zeigt in pseudo-dokumentarischen Bildern den schieren Genozid an den monströsen Nachtgestalten. Gnadenlos werden Werwölfe und Vampire von Spezialkommandos gejagt und mit entsprechender Bewaffnung ausgemerzt. Mehr als den Vorspann füllt dies düstere Szenario mit gegenwartskritischem Potenzial allerdings nicht. Vampir-Kriegerin Selene (Beckinsale) will mit ihrem Geliebten, dem Mischwesen Michael, fliehen. Am Hafen geraten sie jedoch in einen Hinterhalt. 12 Jahre später erwacht sie in einem Forschungskomplex und kann mit Hilfe der jungen Eve (India Eisley) entkommen, die so offensichtlich ihre Tochter ist, dass die Macher diesen Aspekt auch nahezu ausblenden.

Der totgeglaubte Michael wird wohl erst im möglichen nächsten Kapitel relevant sein, so dass sich Selene erst einmal allein in einer Gesellschaft widerfindet, in der ihre Spezies nahezu ausgerottet scheint. Mit dem auf Gegenwehr gepolten Vampir David (Theo James, „Ich sehe den Mann deiner Träume“), dessen Vater (Charles Dance, „Gosford Park“) das Wiedererstarken im Untergrund vorzieht, versucht sie Eve, den ersten natürlich geborenen Hybrid aus Vampir und Werwolf, vor dem Zugriff der Lykaner zu bewahren. Schlüssel zu deren heimlich vorbereitetem Vormarsch ist Wissenschaftler Jacob Lane (Stephen Rea, „Interview mit einem Vampir“).

Eine aufreizende Hauptdarstellerin und mit den Mitteln der Moderne aufgestylte Action ist eben nicht alles. Getrübt wird die Kurzweil vor allem durch schwache Nebendarsteller – mit den undankbarsten Rollen werden Michael Ealy („Sieben Leben“) als hilfsbereiter Cop und Kris Holden-Ried („The Tudors“) als Super-Werwolf abgestraft – sowie einige ausgesprochen blöde Dialogzeilen („I heal instantly“). Zwar mag sich nicht jede Wendung glasklar vorhersehen lassen, Plot und Erzählung machen aber einfach nicht genug her, um „Underworld: Awakening“ auch nur im Ansatz überraschend (oder gar spannend) zu gestalten. Übrig bleibt eine mit CGI-Blut besudelte Horror-Mär von der Stange.

Wertung: (5 / 10)

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