Und Santana tötet sie alle (I/E 1971)

undsantanatoetetsiealleZu den Großen des Spaghetti-Westerns zählt Regisseur Rafael Romero Marchent („Sechs Kugeln für Gringo“) wahrlich nicht. Seine Filme sind standardisiertes Stückwerk, die sich schlicht ins gehobene Interesse ihrer Zeit fügten. Das zeigt auch „…und Santana tötet sie alle“, in dem der charismatische Gianni Garko, der sich eigentlich als „Sartana“ einen Namen gemacht hatte, dem Versprechen des Titels nachkommt. Mit Parnter Marcos (Guglielmo Spoletini, „Django – Unersättlich wie ein Satan“) gilt es auf der Jagd nach einem stattlichem Vermögen immerhin reichlich Körper mit Blei zu spicken.

Der Plot überblickt damit schon mal recht ausgelutschte Ideenhorizonte. Ein Stück weit vergessen macht dies Rainer Brandt, dessen wiederholt aberwitzige Verdienste um deutsche Synchronfassungen auch diesmal ins Schwarze treffen. Nur wollen sie nicht zur zynischen Gewalt passen, mit der Marchent im Lauf der unzusammenhängend abgespulten Geschichte um sich wirft. Aber Hauptsache das Amüsement bleibt gewahrt – und da liefert Brandt so zuverlässig wie prompt.

Für den Regisseur wirkt die Inszenierung ungewohnt einfallsreich, was bereits die gelungene Kameraführung verdeutlicht. Einer gehobenen Klasse entspricht das Gesamtwerk jedoch nicht, dafür fehlt es der zu formelhaft auf Zelluloid gebannten Genre-Produktion einfach an Raffinesse. Die Story folgt Santana und Marcos bei ihrer Jagd nach dem großen Geld, vom Gesetz gejagt und gegeneinander ausgespielt durch die schöne Maria (Maria Silva, „Die Nacht der reitenden Leichen“). Zusätzlichen Ärger verheißt die brutale Gangstersippschaft um den gehbehinderten Kirby.

Deren Lust an der Gewalt zeigt sich während eines Postkutschenüberfalls, bei dem sie die Passagiere erst quälen und dann ohne Skrupel über den Haufen ballern. An unbeschwertem Vergnügen führt die zynisch brutale Posse damit weit vorbei. Zwar unterhält sie blendend, bedient aber einzig die altbackene Grauzone der südeuropäischen Pferdeoper. Gottlob steigert sich der Spaßgehalt durch Brandts Kalauer-Synchro beträchtlich, bei der der humorige Grund der deutschen Sprache abermals unter Beweis gestellt wird. Beispiele gefällig?

Santana: „Mir steigt gleich die Rührung in die Hose.“

Santana zu Kumpel Marcos, als er mit dessen Geliebter im Bett liegt: „Ja grüß dich Keule. Das find ich aber nett, dass du mich mal besuchst. Hättest du doch vorher ´ne Brieftaube geschickt, dann hätten wir geheizt.“

Santana über den beleibten Hilfssheriff: „Für einen Menschen ist er zu fett, aber für ein Schwein hat er zu kleine Ohren.“

Marcos zu Santana, als der den Dicken vermöbelt: „Jetzt hau ihm mal `ne kräftige Beule in den Bart, damit man weiß wo vorne ist.“

Sartana über den hüftsteifen Vater Kirby: „Nun hockt er hier und verschandelt die Landschaft.“

An gleicher Stelle: „Ein Loch in der Birne putzt ungemein.“

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Candyman’s Fluch (USA 1992)

    „Be my victim.“ – Mörderischer Geist mit Manieren: Der Candyman Der Name Clive Barker steht, mehr noch als der des Schriftstellerkollegen Stephen King, für innovativen Horror jenseits des Mainstream. Zwar wurden weit mehr Werke Kings verfilmt (nicht wenige gleich mehrfach), die überschaubare Zahl der nach Barkers Romanen oder Kurzgeschichten entstandenen Filmproduktionen überragen das Gros der…

  • John Carter – Zwischen zwei Welten (USA 2012)

    Trivialheld John Carter mag „Zwischen zwei Welten“ stehen, sein Einstand als Leinwandfigur bleibt aber absolut irdisch. Bisweilen sogar unterirdisch. Das von Disney produzierte Fantasy-Abenteuer hat rund 250 Millionen Dollar verschlungen. Für ein klassisches Hollywood-Großprojekt sicher keine astronomische Marke, angesichts der überraschenden Qualitätslosigkeit des vorgestellten Endprodukts aber doch eine respektable Herausforderung. Denn um es kurz zu…

  • Hitcher – Der Highwaykiller (USA 1986)

    In vielen Gegenden der Welt raten die Behörden davon ab, Anhalter aufzulesen. Es könnte sich bei den daumenschwingend am Straßenrand um eine Mitfahrgelegenheit buhlenden Reisenden schließlich um kriminelle Subjekte handeln. Oder gar um wahnsinnige Serienmörder. Auf Warnungen wie diese gibt der junge Jim Halsey (C. Thomas Howell, „Soulman“) herzlich wenig. So erbarmt er sich auf…

  • J. Edgar (USA 2011)

    John Edgar Hoover (1895 – 1972) ist eine der bekanntesten und zugleich umstrittensten Figuren der jüngeren amerikanischen Geschichte. Er war Vorreiter der organisierten Verbrechensbekämpfung und gründete die nationale Sicherheitsbehörde FBI, deren Direktor er bis zu seinem Tode blieb. Daneben aber sagte er Kommunisten und Bürgerrechtlern den Kampf an, wetterte gegen die afroamerikanische Gleichheitsbewegung und sprach…

  • Miller’s Crossing (USA 1990)

    „Look in your heart! Look in your heart!“ – Flehentlich: Bernie Ein Film, der im Schaffen der Gebrüder Coen bedauerlicherweise häufig übersehen wird, ist „Miller’s Crossing“. Dies erste echte Meisterwerk der brillanten Erzählkünstler, die mit „Barton Fink“ (1991) und „Fargo“ (1995) in der Folge neben den Kritikern auch zunehmend das Publikum begeisterten, breitet seine komplexe…

  • Seitensprünge in New York (USA 2001)

    Nach dreijähriger Regieabstinenz meldete sich Autor, Regisseur und Darsteller Edward Burns im letzten Jahr mit seiner vierten Regiearbeit, „Seitensprünge in New York“, zurück. Seinen Anfang nahm die Erfolgsgeschichte des smarten Allround-Talentes im Jahre 1995 mit der vielbeachteten No-Budget-Tragikomödie „Kleine Sünden unter Brüdern“, bei dem Burns sich für Skript, Regie und Hauptrolle verantwortlich zeigte. Bereits ein…