Unantastbar – Hand aufs Herz (2016, Rookies & Kings/Soulfood)

unantastbar-hand-aufs-herzEin Festival der Plattitüden: Mit „Hand aufs Herz“ feiern UNANTASTBAR ihre Freiheit, ihre Kompromisslosigkeit und natürlich sich selbst. Das wirft Fragen auf, trommelte Sänger Joachim Bergmeister doch früher bei der Südtiroler Rechts-Rock-Combo KAISERJÄGER, zu deren Personal auch FREI.WILD-Frontmann Philipp Burger zählte. Dass Folgeprojekte solcher (ähm) Künstler argwöhnisch beäugt werden, versteht sich von selbst. Aber auch für die Bergmeisters und Burgers gilt das Prinzip der zweiten Chance. Nur nutzen sie diese zunehmend als weichgespülte Klone der BÖHSEN ONKELZ im mittlerweile arg generischen Deutsch-Rock-Zirkus. Die Frage nach der grundlegenden Gesinnung einer Person lässt sich daraus kaum ableiten. Aus diesem Grunde bleibt das Politische, Vergangenheit hin oder her, im Folgenden ausgespart.

Aber in dieser Hinsicht machen es UNANTASTBAR selbst ihren schärfsten Kritikern leicht. Denn die sechste Scheibe im 12. Jahr ihres Bestehens ist kaum mehr als ein 15 Songs andauerndes Bad in ausgenudelten Klischees. Die austauschbaren Texte – die Einleitung von „Solange unser Herz noch schlägt“ mit den Worten „Ich zeig’ dem Sensenmann den Mittelfinger“ ist an Banalität kaum zu überbieten – erzählen von Außenseitertum und dem ewigen Kampf gegen Heuchler, Zweifler und Selbstzerstörung. Dabei, so heißt es in „Dein Leben, deine Regeln, dein Gesetz“, kennen Band und Zielgruppe doch die Wahrheit. Im Zusammenspiel mit Lobeshymnen auf die eigene Unbesiegbarkeit, die sich paradoxerweise aus der Lust an der Provokation, notorischer Unbeugsamkeit und Unbelehrbarkeit speist („Gerader Weg“), wird im Eilschritt der Gipfel der Betonköpfigkeit erklommen.

Selbst wenn das Gros der Tracks Liebe und Freundschaft feiert und bei „Alles was zählt“ sogar Bescheidenheit gepredigt wird, im Kombinat mit schalen Durchhalteparolen ist diese Art Musik letztlich Bauernfängerei, die nach denjenigen greift, die sich in diesem oder jenem sozialen Milieu ausgeschlossen und missverstanden fühlen. Das Grundgerüst von „Hand aufs Herz“ ist eine leicht zugängliche Mischung aus Stadion-Rock und Punk, die mit viel Druck und reichlich Chören, aber ohne Ecken und Kanten nach vorn getrieben wird (siehe „Ihr könnt mich alle mal“). Die polierte Glätte fällt insbesondere bei den von Herzschmerz kündenden tempoarmen Nummern negativ ins Gewicht. Spätestens in Hälfte zwei schaltet das Album in einen Modus ständiger Wiederholung. Das banal-balladeske Finale „Fackel im Sturm“, bei dem einmal mehr der aufrechte Charakter in einem Meer von Konformität zelebriert wird, wirkt da fast wie eine Erlösung. Kontroversen bedient dies kalkulierte Kommerzprodukt so jedenfalls keine.

Wertung: (4 / 10)

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